- Reimwerk -

Die Autorenseite von Martin Gehring

Monat: März 2016 (Seite 1 von 2)

Ciudad de México

Straßencafé in Coyoacán
Auf eine Cola mit Diego Rivera
Ein Mann verkauft Luftballons
Spongebob und die ganz alten
Lucha Libre Helden
Wir reden mit Kahlo mit Trotzki
Eispickel Schüsse das Busunglück
Der tote Mann auf der Sackkarre
Steigt ins Taxi zur Leichenhalle
Schamanen waschen Seelen rein
Rauch und Türkise am Zócalo
Hitze Regen verwischt Grenzen
Leben und Tod bleiben heute eins
Die Calacas die Futbolistas
Staub, Teotihuacán und Mariachi
Das Ende kommt per Drive-By
Morgen in der Zeitung zu lesen
Im Hotelzimmer gestärkte Laken
Paar Flaschen Corona eiskalt
Wie kommt die Zitrone wieder raus
Fensterladen wirft kühles Muster
Trennt streifig Tag von Nacht
Und der iPod spielt den Song
This Must Be The Place

Die Ferne von Florian Arnold

BookCoverDie Ferne
Florian Arnold (Autor)
Mirabilis Verlag
Leseprobe

„Ich sah mit ihren Augen diese fremden Straßen und Häuser, ich sah die Kleidung der Menschen und ich hörte ihre Sprache, und alles jagte mir Angst ein und peinigte mich mit der Sehnsucht, selbst all das zu sehen und zu hören …“

Aufgewachsen als Sohn eines Vulkanforscherehepaars ist Evren Attocker vor allem eines: fremd im Leben. Als er aus Versehen das eigene Elternhaus anzündet, flieht er in ein fernes Land, um jenseits des trügerischen Alltagsbewusstseins den eigenen Lebensmustern wie auch den großen Geschichten seiner Familie nachzuspüren.

Zwischen Epik und Schauergeschichte, ironischer Verlorenenfantasie und imaginärer Welt(en)reise ist das Buch – so ein Testleser – „schmerzhaft, schön und manchmal ziemlich verstörend“.

„Die Ferne“ ist Florian L. Arnolds zweiter Roman, nachdem 2015 „Ein ungeheuerlicher Satz“ im Mirabilis Verlag erschienen war. „Die Ferne“ ist eine bildgewaltige Erzählung über die Irrwege des Erinnerns, über Freundschaft und Liebe, Einsamkeit und Verlust. Mit unbändiger Fabulierlust schafft der Autor unglaubliche Szenarien: ein Füllhorn von Bildern und Personen, in dem existenzielle Erfahrung und sinnliche Fantasiewelten zusammenwachsen.

Roman, 276 Seiten.
Mirabilis Verlag, 2016
Franz. Klappenbroschur
27 Abbildungen
Preis: € 16,90
ISBN 978-3-9816674-4-8

Gezeiten

Ein Ausschlag der Nadel
Wirbel und Verwerfungen
Störend wahrgenommen im
Gewohnten Kataklysmus
Persönlicher Befindlichkeit
Kurzfristig verstärkter
Gezeitenhub und unklare
Strömungsverhältnisse
Anordnung mentaler Hashtags
Verwirrender Indikator
Aus dem Ruder gelaufener
Wahrnehmungsparameter
Offizielle Gegenreaktion
Erhöhung regelmäßiger Dosis
An Realitätsweichmachern
Social Media Serotonin zur
Dämpfung der Gefühlsspitzen
Nervöse Postulierung von
Sicherheitsphantasien
Und karmisches Repetieren
Gleicher Durchhalteparole
Alles bleibt wie gewollt

Der zweite Fehler

Im Anfang gab uns Gott
den Baum der Erkenntnis
auf dass wir nicht
von seinen Früchten essen

Am Ende gab uns Gott
den Hot Button der Offenbarung
auf dass wir ihn nicht drücken

 

Leipziger Buchmesse

IMG_1872Morgen, am 18.3.2016 geht es also wieder einmal auf die Leipziger Buchmesse. Ich werde dort von 16:00 Uhr bis 16:30 Uhr aus meinem kleinen Westernroman El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica lesen.

Und damit das Ganze auch ein entsprechend festlicher Auftritt wird, habe ich mich bei Herman Melvilles Erzählung Bartleby The Scrivener und mir ein passendes T-Shirt mit dem Kernzitat der Erzählung (I would prefer not to.) anfertigen lassen (vgl. auch Bild). 

Wer also Lust hat, mich zu besuchen, der komme bitte am Freitag, den 18.03.2016 um 16:00 Uhr zum Forum Literatur ‚buch aktuell‘ Halle 3: Stand E401.


El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica

von Martin Gehring
(Bestellen)

Zum Buch:

Karl May war gestern, denn in der Sierra Chica sind die Hühner los! Eines Tages wird das kleine Dorf Carrizo von den Four Roosters, einer skrupellosen Ganovenbande, heimgesucht. Die vier Hühnerbrüder fordern nicht nur die Wertsachen der Einwohner, sondern auch den Kopf El Pollos. Sancho, ein junger Gockel des Dorfes, wird ausgesandt, um den sagenhaften Helden zu finden. Wie die Wahrheit über El Pollo Sanchos Leben verändert, ob er sein Dorf retten kann und welche Rolle der Händler und Erfinder Monsieur Coq au Vin und die bezaubernde Tänzerin Esmeralda spielen, erfährt der Leser im preisgekrönten Roman ‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘.

Zum Autor:

Mit ‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘ hebt der Ulmer Autor Martin Gehring das zu Unrecht belächelte Genre des Western auf eine neue Dimension und befreit es augenzwinkernd von seinem angestaubten Heftromanimage. Mit viel Spannung, temporeicher Action und jeder Menge Humor schickt er den Leser auf einen halsbrecherischen und vergnüglichen Ritt quer durch die Sierra Chica.

Preisträger des Buchpreises der Unknown Buchmesse Essen (1. Platz)

‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘, Juni 2015, Manuela Kinzel Verlag.

ISBN: 978-3-95544-040-4
Format: DIN A5
Info: Softcover; 134 Seiten
Preis: € 10
Erschienen: Juni 2015

Ostern

Visionen, Pläne, Tat und Zweck.
Ans Kreuz damit, denn weg ist weg.
Gedanken, Ströme, frei und weit.
Die Nägel liegen längst bereit.
Ideensamen, Triebe kaum.
Am Balken hoch, stirbt da der Traum?

Aus den Augen, aus dem Sinn.
Bedrohliches? Man richtet’s hin.
Irrglaube, Wahrheit zu besiegen.
Das Kreuz kann sie nicht unterkriegen.
Verbleiben wird der Geist, das Wort.
Zu jeder Zeit, an jedem Ort.

 

Literaturwoche Donau (14.04.2016 – 07.05.2016)

literaturwoche„Kleine feine Literaturveranstaltungen abseits des Üblichen – das wollen wir anbieten. Ob mit dem eigenwilligen LiteraLotto, den Literaturreihen in und um Ulm herum an ungewöhnlichen Orten wie bei “Natürlich: Literatur” (Botanischer Garten Ulm) – Literatur begegnen und entdecken, die nicht auf dem Wege geldintensiver Marketingstrategien entsteht, neue Autoren und verkannte Genies“ – das haben sich die Veranstalter der Literaturwoche Donau auf die Fahnen geschrieben.

2013 wagten die Begründer ein Experiment: Da gab es eine kleine Literaturwoche in der Ulmer Griesbadgalerie mit einigen ausgesuchten Autoren aus Ulm, Neu-Ulm, Wien, Pforzheim und Weissenhorn. Auch fand in diesem Rahmen der Testlauf des amüsanten Impro-Literaturformats “Chaoslesen” statt, das 2013/2014 im Theater Neu-Ulm von Heinz Koch und Florian L. Arnold bestritten wurde und mit LiteraLotto seine aktuelle Form gefunden hat.

2015 fand ab dem 9. Juni die dritte Literaturwoche statt.
Gemeinsam mit der Kulturbuchhandlung Jastram, der Griesbadgalerie und der “Stiege” Ulm sowie den Spielorten Stadtbibliothek Ulm, Botanischer Garten der Universität Ulm, Brett im Schtoi (Pfaffenhofen/Roth) sowie dem Wileykiosk (Neu-Ulm) wurde für Ulm und weit drumherum ein literaturzentriertes Programm angeboten, das den unabhängigen Verlegern, Verlagshäusern, ihren Programmen und ihren Autoren gewidmet war.

Literatur bedeutet nicht, mit großen Budgets Bestseller zu produzieren.
Literatur ist Erzählen, Experimentieren und Denken.
Literatur ist das, was ungeplant zwischen Autor und Publikum geschehen kann.
Alle Spielarten des literarischen Schaffens erfahren wir in Lesungen und Autorengesprächen.
Dazu gibt es kleine feine Ausstellungen mit Buchkunst sowie Theater- und Kabarettabende.

2016 geht es weiter: Mit Unterstützung der NU KUNST und privaten Sponsoren wird die Ulmer Literaturwoche zum vierten Mal aufgelegt – leider mochte sich die Stadt Ulm nicht zu einer weiteren Unterstützung von Literatur im Rahmen der Literaturwoche entschließen.

Die Literaturwoche Donau findet vom 14.04.2016 – 07.05.2016 an verschiedenen Spielorten in und um Ulm statt.

Programmflyer im PDF-Format als Download

Gutes tun

Typen Pixel Animation
Konsequenzlose Botschaft
So toll einfach ist es
Heute gut Gutes zu tun
Lehn dich entspannt zurück
Von Jasagern Lobhudlern
Gebauchpinselt mit Likes
Denn du hast ja eine
Weltverbesserungsflatrate

Die Moritat vom Joschi seiner Frau

Der Joschi ist jetzt Dichter,
ham Sie‘s schon gehört?
Dabei war er so fleißig.
Sein Weib ist ganz verstört.

Er hat schon mal geschrieben:
Zum Geburtstag a Gedicht.
Und dem Franz zur Rente,
a ganz nette Geschicht.

Aber sonst, da war er ehrlich
und voller Arbeitskraft.
Hat in der Autowerkstatt
bei Tag und Nacht geschafft.

Doch jetzt sitzt er zu Hause
und hackelt nimmermehr.
Möcht große Epen dichten,
doch sein Papier bleibt leer.

Man sah sein Weib des Nächtens,
wie‘s im Ehebett sich wand,
weil langsam die Penunze
von Joschis Sparbuch schwand.

Ach, wär er noch der Alte.
Der Joschi, den sie mag.
Vor Sorgen ward ihr Haupthaar
nun grauer jeden Tag.

Sie sah sich schon in Zukunft
bei der Laterne stehn,
denn weil ihr Mann nix arbeit,
musst anschaffen sie gehn.

Die Frau fasste des Morgens
beim Frühstück den Entschluss,
dass zur Rettung des Vermögens
der Joschi sterben muss.

Sie nahm die Schlaftabletten,
und hat sie fein zerstampft.
Der Joschi hat’s zur Jausen
im Kasbrot mitgemampft.

Der Dichter wurde müde,
es sank sein Haupt aufs Brot.
Ein paar Minuten später,
da war der Joschi tot.

Das Weib, es ging ins Kuchl,
hats Hackbeil fest gepackt.
und damit den Kadaver
ganz fachgerecht zerhackt.

Sie hat dann den Handwagen
vom Nachbarn ausgeborgt
und Stück für Stück den Joschi
im Donaufluss entsorgt.

Der Joschi ist jetzt Dichter
A Postkartn kam heut.
Man wohnt nun in Brasilien.
Und hätt‘ dort sehr viel Freud

Er sei ein großer Künstler,
so kreativ und schlau.
Grüßt mir die alten Freunde.
Gezeichnet, Joschis Frau.

Ein seltsamer Fund

euleAuf einem meiner unzähligen Streifzüge durch die Büchercontainer der Wertstoffhöfe dieser Welt stieß ich eines Tages ganz unten und verdeckt von fort geworfenen Schulbüchern auf ein abgegriffenes, altes Gesangbuch. Die Seiten waren vom vielen Lesen und Lobpreisen schon ganz speckig und zersungen. Einst hatte dieses Buch einen schönen Goldschnitt, doch auch dieser hatte im Laufe der Jahre stark gelitten. Kurzum, es war eines jener Gesangbücher, die in Massen gedruckt, nach dem Tode eines Menschen übrig blieben und mit jeder Menge anderer Erinnerungen in den Müll wanderten.

Gerade wollte ich das alte Laudate wieder in den Container zurücklegen, als zwei einzelne Blätter zwischen den eselsorigen Seiten herausschlüpften und zu Boden taumelten. Auf dem einen Blatt war eine kuriose Zeichnung zu sehen: Nämlich die rasch hingemalte aquarellierte Federskizze einer Eule, die ein Zifferblatt statt eines Hauptes trägt. Über der Zeichnung hatte der Maler „Die Walduhreule“ geschrieben. Auf dem anderen stockfleckigen Blatt Papier fand sich, in verwaschener Tinte hingeworfen, ein Text, der kaum noch leserlich war. Rasch sammelte ich die Blätter ein, schob sie wieder zwischen die Seiten des Gesangbuches und trug meinen Fund eilends nach Hause. Kaum angekommen, ließ ich mich an meinem Schreibpult nieder und begann, den alten Text zu entziffern. Nach einigen Tagen des Ratens und Forschens kann ich heute behaupten, die Niederschrift in ihrem Sinn verstanden und enträtselt zu haben und möchte sie im heutigen Loseblatt wiedergeben. Der unbekannte Autor schreibt hier mit folgenden Worten:

Heute, am 2. October im Jahre des HErrn 1794 begab ich mich zum Behufe des Eynsammelns von Pilzen & Röhrlingen für das Nachtmahle in den nahebey gelegenen Forst. Forschen Schrittes drang ich hierbey durch allerley dickichtes Unterholz an gar besonders verborgene Pilzstellen vor, die schon seyt Generationen in unserer Familie gleichsam einem Geheymnisse gehütet & bewahret werden. Immer tiefer wanderte ich in den düsteren Thann, so dasz ich bald schon glaubte, ganz & gar verirret & verloren zu seyn. Mein Korb war noch immer leer, als ich auf eyne Lichtung trat, die mir gänzlich & vollkommen unbekannt. Doch frohen Mutes glaubte ich, es währe mir ein Leichtes, wieder in bekannte Regiones des Waldes zurückzufinden. Aber wie sehr hatte ich mich geirret. Je weiter ich lief, desto fremder deuchte mich, was ich sah. Schon dämmerte es zur Nacht & ich gewahrte von allen Seiten ein grauslichtes Heulen & Rauschen & allerley Gethier, dasz um meine Füsze kreuchte & fleuchte. In meyner tiefen Verzweyflung & dem sicheren Tode nah, nahm ich die Beyne unter die Arme & sauste, gleichsam wie vom Beelzebuben gejagt, von diesem verwunschenen Orte hinforth. Plötzlich vernahm ich ein erschröckliches Ticken & Tacken, gerade so, als wäre mir des Satans Standuhr (sic!) auf den Fersen. Doch welch Teuffelswerk war das? Auf einem niedrigen Aste, gleychsam vor meinen Augen, sasz eine Eule. Doch war dies keine gemeyne Eule. Der unheimliche Kautz trug statt eynes Gesichtes & eynes Schnabels eine Uhr auf seinem Haupte. Darbey tickte er wie wild & schlug mit seynen Flügeln, dasz mir darob beynahe alle Sinne schwanden. Ich raste von dannen & fand mich mit eynem Male schier toth am Rande des Thanns gar nicht weit von unseren Hause wieder, wo mich meyn verzweyfeltes Weib in Empfang nahm, glaubte sie doch, ich hätte einem Bären zur Speisz‘ gedienet oder wäre unter die Räuber gefallen. Noch zu selbichter Nacht fertigte ich zum Beweise diese Aufzeychnung meines curiosen Abentheuers als wie auch ebenjene nathürliche und colorirte Zeychnung des gespenstischen Nachtvogels, dem ich in meynem gantzen Leben niemals wieder zu begegnen hoffe, so wahr mir GOtt helfe. Gez. J.F.M.

Mit diesen Worten endet der Bericht des geheimnisvollen Pilzsammlers, von dem uns nur die Initialen J.F.M. bekannt sind. Ob sein unheimliches Erlebnis der Wahrheit entsprach oder ob wir hier einer Geschichte aufsitzen, die dem überspannten Geist des Autors entsprang, werden wir wohl nie erfahren. Doch eines ist sicher, lieber Leser: Wenn Dir eines Tages auf einer Wanderung in dunklem Forst die Walduhreule begegnet, wirst Du mir sicher davon künden.

+++

Notizen-Webt „Ein seltsamer Fund“  erschien in meinen ersten Buch Notizen aus dem Oberstübchen.

Broschiert: 102 Seiten
Verlag: Manuela Kinzel Verlag
Auflage: 1 (24. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3937367989
Preis: € 9.95
Größe und/oder Gewicht: 11,3 x 1,5 x 21,1 cm

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