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Die Autorenseite von Martin Gehring

Monat: Mai 2016

Die Suche nach dem Vogel / Teil 2

Kapitel 2 – Der Große Attraktor

AttraktorIch ging durch Die Türe, nicht ohne mich noch einmal gründlich zu vergewissern, dass sie nicht doch versehentlich zufallen könnte und blickte in den Gang, der sich vor meinen Augen erstreckte. Anfangs verlief er schnurgerade und war zudem vollkommen schmucklos. An seiner Decke zog sich ein einzelnes Kabel entlang, das in regelmäßigen Abständen von Lampen unterbrochen wurde. Ich knipste den Lichtschalter an und sofort wurde der Gang von einem fahlen, leicht dämmrigen Licht ausgeleuchtet. Ich holte tief Luft, als müsste ich einen langen Tauchgang ohne Atemgerät absolvieren und marschierte entschlossen los. Nach einem kurzen Stück Weges erreichte ich auf der linken Seite des Ganges die Türe zum Raum, der den Großen Attraktor beherbergte. Ich beschloss, dort noch schnell nach dem Rechten zu sehen und trat in die Kammer ein. Neben dem Eingang stand eine hölzerne Werkbank mit verschiedenstem Werkzeug und einem Ölkännchen darauf. In der Mitte des Raumes stand der Große Attraktor selbst. Genau genommen war der Große Attraktor nicht einmal besonders groß oder gar beeindruckend. Es handelte sich viel mehr um eine schmucklose, quaderförmige Konsole von der Größe eines Schreibtisches.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 1

Kapitel 1 – Die gute Stube

Neulich sagte jemand zu mir: „Du hast ja einen Vogel“ und tippte sich dabei an die Stirn. Das war seltsam, denn zuerst wusste ich nicht so recht, was mein Gegenüber damit eigentlich meinte. Schließlich hatte ich keinen Flattermann, ob Wellensittich oder Kanarienvogel, daheim in meiner Stube. Nur zwei Katzen. Und die sollte man, wie ein Jeder weiß, nicht zusammen mit Vögeln halten, denn das würde unter Umständen ein überaus böses und blutiges Ende nehmen. Doch bald schon ahnte ich was seine Geste bedeutete: Mit dem Tippen an seine Stirn meinte mein Gesprächspartner sicherlich, ich hätte einen Vogel, der sich in meinem Oberstübchen niedergelassen hatte. Und da ich mir nicht so ganz sicher war, ob er mit seiner Behauptung vielleicht nicht doch recht haben könnte, beschloss ich, den heiligen Hallen zwischen meinen beiden Ohren wieder einmal einen ausgedehnten Besuch abzustatten, um nachzusehen, ob dort nicht tatsächlich ein gefiederter Freund Logis genommen hatte.

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Omacafé

Bei Schlagsahne
Plus Kännchen
Hut aufgelassen
Frankfurter Kranz
Wider das Ende
Mit gestärktem Kragen
Vom Porzellan gegabelt
Plaudereien verhallt
Bei Kräuterlikörchen
Dem Achtel Süßwein
Gegen Vergessen
Und heute schließlich
Wo das Omacafé war
Eine Brotlounge

Gleichnis

Drachmen sind wir
die Lämmer
und Söhne
Vergessen
beim Fundbüro
In der Abholstation
liegengeblieben

VolksLyrik von Marco Kerler

volkslyrik-marco-vorneVolksLyrik
vom Marco Kerler

edition dreiklein
Erscheinungstermin: Sommer / Herbst 2016
(Hier vorbestellen)
Preis: € 10,-

Mit seinem Projekt VolksLyrik wagte der Ulmer Dichter Marco Kerler das mehrtägige Live-Experiment, seinen Besuchern Lyrik näherzubringen, indem er sie vor Ort in seinen Schaffensprozess integrierte. Dabei ging er weit über das bloße „dem Volk aufs Maul schauen“ hinaus. Er sammelte die Gedanken, Erinnerungen und Wünsche seiner Interviewpartner und konservierte sie lyrisch in der Zeitneutralität des Papiers.

9 Tage
Unzählige Kippen
100 Gedichte
Und Kaffee

Zum Autor:

Der Lyriker Marco Kerler ist 1985 in Ulm geboren und lebt immer noch dort.
Texte von ihm sind in diversen Anthologien und Magazinen veröffentlicht.
2011 erhielt er beim Förderpreis für junge Ulmer Kunst in der Sparte Literatur die Anerkennung der Stadt Ulm.
Er präsentiert seine Texte gerne live mit Musikern.

Mitgliedschaften:

Kunstwerk e.V. Ulm, Hauptverantwortlicher für Literatur
Literatursalon Ulm e.V., Gründungsmitglied
Ulmer Gestalten
Ulmer Autoren `81 e.V.

Einzelpublikationen:

2007 Damn Poetry, Cosmopolitan Art Verlag, Temeswar
2010 Notgroschen, Chapbook mit Collagen
2015 Schreibgekritzel, Manuela Kinzel Verlag, Göppingen

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Dieses Foto
(Für Paolo Percoco)

vom Strand
wir hatten Ufos gesehen
da lag meine Hand
in deiner
auf dieser Fotografie

Wolkenschlachtfeld

Gefecht durch Dimensionen
Veränderlicher Reiterei
Die Flanken Donnerkatapulte
Belagerungstürme changieren
Grau zu Blau zu Schwefel
Blitzfeuernd Ballisten
Infanterie schlägt zurück
Hagel und Regen und Graupel
Fallwind kracht frostklirrend
In scharmützelnder Lufttektonik
Gegen Zenturien aufsteigender Wärme
Sturm versprengt wirbelig
Kleintrombige Gewittervorwerke
Dann zerreißt die Front
Sonnenstrahl illuminiert
Dramatisch theaterleuchtend
Zitronig zwischen Wiesengrün
Und Waldschwarz den Raps

Stühle

Auf dem Tisch
Decke Vase
Blume oder zwei
An jeder Seite
Ein Stuhl
Polster Lehne
Gebein
Drei gerade
Einer schräg
Der ist verrückt

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