Kapitel 6 – Der Limbus des Unbewussten

Immer rasanter wurde die wilde Fahrt auf dem ungezähmten Strom der Gefühle. Ich hielt mich an den morschen Bordwänden meines Kahns fest, beobachtete, wie die Flussufer an mir vorbei jagten und stellte mir bang die Frage, ob ich nicht einen Fehler gemacht hatte, als ich beschloss, mich auf diesen Teil meiner Suche zu wagen. Doch es bestand kein Zweifel, dass dies der richtige und einzige Weg sein musste, denn der Nullbock hatte mich mehr oder minder mit Nachdruck in mein steuerloses und zerbrechliches Gefährt befördert. Wie ein Papierschiffchen jagte und kreiselte mein Boot unkontrolliert durch tückische Stromschnellen und über gefährliche Untiefen. Manchmal spürte ich, wie sein Kiel am Grund des Flusses entlang schabte und das Holz der Planken knarzte und ächzte, wenn das Fahrzeug gegen eine Wasserwalze ankämpfte. Plötzlich trieb mein Gefährt geradewegs auf einen schroffen Felsen zu, der mitten aus dem Fluss ragte und den Weg versperrte. Verzweifelt suchte ich etwas, womit ich das Boot an dem Hindernis vorbei steuern konnte, doch mein Rucksack, in dem ich irgendein Hilfsmittel zu finden hoffte, war vor kurzer Zeit bei der riskanten Passage über einen kleinen Wasserfall über Bord gegangen. Da auch keine Riemen oder ein Steuer vorhanden waren, versuchte ich schließlich mit bloßen Händen paddelnd und rudernd den heimtückischen Felsen zu umschiffen. Doch es war alles vergebens – der Kahn ließ sich nicht von mir navigieren und krachte schließlich in voller Fahrt gegen das Riff, an dem er in tausend Stücke zerschellte. Ich wurde ins Wasser geschleudert.

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