Es herrschte noch tiefste Dunkelheit, als Bauer Hämmerle seinen Krautacker auf den Fildern erreichte. Fröstelnd und mit knackenden Gelenken kletterte er von seinem Einundsechziger Eicher, dessen hellblaue Lackierung mit der undurchdringlichen Nebelsuppe verschmolz, die alles wie ein Leichentuch bedeckte. In der Ferne hörte man gedämpft die Hupe eines Lastwagens auf der Autobahn. Zischend atmete Hämmerle einen Schwall kühler Luft ein, hob den Kopf und hielt seine große, von der Kälte gerötete Nase in den Wind, als wolle er den Reifegrad seiner Kohlköpfe zu erschnuppern. Dann fischte er seine Zigarettenschachtel aus der Manteltasche, zündete sich mit dem Einwegfeuerzeug eine Ernte 23 an und wartete auf die Morgendämmerung. Während er rauchend an seinem Traktor lehnte, vernahm er plötzlich, gedämpft durch das gleichmäßige Blubbern des Dieselmotors, ein leichtes Schaben und Kratzen, das so klang, als käme etwas im Schutze der Dunkelheit näher gekrochen. Hämmerle blickte sich suchend um. Nichts zu sehen, aber das lag zweifellos am dichten Nebel, der in schweren Schwaden über dem Acker waberte und alles, was mehr als zwei Meter entfernt war, in gleichförmigem Grau verschwinden ließ. Sicher nur ein paar Feldmäuse auf der Suche nach einem Frühstück. Der Bauer blickte, herzhaft und lautstark mit weit aufgerissenem Mund gähnend, auf die grünlich floureszierenden Zeiger seiner Armbanduhr, deren Glas in der feuchtigkeitsgesättigten Luft sofort beschlug und beschloss, sich bis zum Sonnenaufgang noch ein wenig die Füße zu vertreten.

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