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Die Autorenseite von Martin Gehring

Monat: August 2017

Selbstentsorgung, aber richtig

Letzte Nacht träumte ich von Star Trek. Jedoch fand ich mich nicht in der Welt der aktuelleren Staffeln wieder, sondern war an Bord der guten alten USS Enterprise unter dem Kommando von Cpt. Kirk und seiner wackeren Besatzung. Ich nehme an, dieser Traum kam zustande, weil ich zuvor zwei alte Star Trek Folgen auf ZDF Neo gesehen hatte. Zudem hat wahrscheinlich das 46. Jubiläum der Fernsehserie, dass mit einem Google Doodle gefeiert wurde, sein Übriges getan.

Ich kann mich leider nur an wenige Details aus den Traum erinnern: Ich weiß aber, dass ich auf der Kommandobrücke der Enterprise war, als diese von bösartigen Aliens unter Umgehung des Transporters geentert wurde. Die außerirdischen Invasoren sahen aus wie stark geschminkte, kleinwüchsige Menschen, hatten riesige, künstlich aussehende, freiliegende Gehirne und trugen glitzernde, bodenlange Lurexumhänge. Ich wunderte mich noch, warum die Außerirdischen trotz ihrer überlegenen Intelligenz und ihrer phantastischen technischen Möglichkeiten nur sehr gebrochen Deutsch sprachen (Wir Euch millionenfach überlegen und nun Enterprise übernehmen…), als ich unvermittelt und schlagartig aufwachte.

Plötzlich aufzuwachen ist allerdings schlecht. Ich fühlte mich zunächst einmal total verwirrt, körperlich gerädert und wollte mich, sprichwörtlich gesagt, am Liebsten selbst in die Tonne kicken. Doch damit beginnen auch schon die Probleme. Welche Tonne ist die Richtige? Man möchte zunächst meinen, die Biotonne wäre der perfekte Ort für eine fachgerechte Selbstentsorgung. Aber weit gefehlt. Allerlei Metall im Mund wie Gold und Amalgam, diverse Piercings (so vorhanden), Schrauben, Nägel, künstliche Hüftgelenke oder Herzschrittmacher lassen den umweltbewussten und auf strikte Mülltrennung konditionierten Bürger vor dem Betreten der Biotonne zaudern, denn solch unbedachte Entsorgung sorgt nicht nur für ein schlechtes Gewissen, sondern bedeutet auch Ärger mit den Müllkontrolleuren.

Dabei ist doch alles ganz einfach. Das Foto zeigt, wo z.B. Männer fachgerecht entsorgt werden. Abgelegte Männer gehören in eigens gekennzeichnete Container, die von den Entsorgungsbetrieben an den bekannten Sammelstellen bereitgestellt werden. Es ist wie beim Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Man wählt die Türe, deren Beschriftung oder Pictogramm am ehesten dem eigenen angenommenen Geschlecht entspricht, um dahinter seinen dringenden Verrichtungen nachzugehen. Und ebenso funktioniert die Selbstentsorgung: Damen gehören in den mit Frauen markierten Container und Herren verfügen sich bitteschön in den Männercontainer. Und wenn man sich nicht sicher ist, stehen einem die freundlichen Mitarbeiter der Wertstoffsammelstellen mit Rat und Tat zur Seite. Auf diese Weise kann man sich gelassen und mit dem tollen Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz geleistet zu haben, in den Recyclingkreislauf einbringen.

Unbestimmt

Was vor der Zigarette
danach geschah?
Darüber halten die
Beteiligten Stillschweigen.
Verlautbarungen
(wiewohl offiziell)
aus der Luft gegriffen.
Und im Ministerium
für vage Vermutungen
tagt der Krisenstab.

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