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Die Autorenseite von Martin Gehring

Kategorie: Allgemein

Das letzte Büro

Abdullah weigerte sich im ersten Augenblick danach, seine Augen zu öffnen. Vor einem Moment noch befand er sich auf einem Marktplatz in Bagdad, hatte, lauthals Allāhu akbar schreiend, den Splint seines Sprengstoffgürtels gezogen und war in einem gleißenden Lichtblitz vergangen. Er fühlte keine Schmerzen und war sicher, dass er sich nun als glorreicher Märtyrer im Paradies befinden müsse. Vorsichtig schlug er die Augen auf. Doch statt der nimmer endenden Freuden des Paradieses sah er lediglich ein schlichtes Wartezimmer. Er saß auf dem einzigen, etwas wackligen Stuhl, der im Raum vorhanden war. Er blickte an sich herab, sah sein Hemd, die Hose, die Sandalen und stellte fest, dass er vollkommen unverletzt war. Abdullah schaute sich im Wartezimmer um. Vor dem Stuhl stand ein niedriger Tisch, darauf einige abgegriffene Zeitschriften. An der Wand gegenüber, staubig, eine verdorrte Zimmerpflanze und eine hellere Stelle, an der vielleicht einmal ein Bild hing. Zu seiner Linken bemerkte Abdullah die einzige Türe im Raum. Über der Türe leuchtete eine rote Lampe. Daneben war ein altertümlich wirkender, stoffbespannter Lautsprecher angebracht, dessen Drähte in der Wand verschwanden. Der Boden des Warteraumes war mit grünen Linoleumkacheln belegt, an der Wand gegenüber der Türe gluckerte rachitisch ein Heizkörper. Es war zu warm, deshalb öffnete Abdullah einen weiteren Knopf seines Hemdes. Er wollte gerade nach einer der Illustrierten greifen, als das rote Licht über der Türe flackernd erlosch und ihn eine Stimme aus dem Lautsprecher zum Eintreten aufforderte.

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Wir trauern

Wir trauern um Christiane Dammann und Erika Silesu, die am 01.08.2016 unter tragischen Umständen ums Leben gekommen sind. Beide gehörten zum Organisationsteam der Unknown Buchmesse Essen und waren Herz und Seele dieser Veranstaltung. Wir bekunden den Familien Dammann und Silesu sowie allen Angehörigen unsere aufrichtige und tief empfundene Anteilnahme und wünschen Ihnen viel Kraft und Mut in dieser schlimmen Zeit.

Was haben wir verloren,
als wir Dich verloren?

Nicht Deine Energie,
denn sie geht nicht verloren,
sondern wird eins mit der Natur.

Und auch nicht Deine Seele,
denn sie lebt in uns weiter
und macht Dich nie vergessen.

Was also haben wir verloren,
wenn wir durch Dich reicher wurden
an Energie und Seele?

Literatur, da wird mir übel?

Foto: Patrick Schmidt

Foto: Patrick Schmidt

1978 sang Nina Hagen in ihrem Song „TV-Glotzer“ die Textzeile „Na, ich fass‘ kein Buch mehr an / Literatur, da wird mir übel…“. Wenn man den heutigen etablierten Literaturbetrieb mit all seinen Auswüchsen betrachtet, steckt in Hagens dahergerotztem Statement womöglich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Dass es aber tief in der Provinz, abseits der literarischen Proseccogesellschaft auch anders hergehen kann, bewies am Dienstag, den 26.04.2016 das Verleger- und Autorenfest, das, im Rahmen der Literaturwoche Donau 2016, im Neu-Ulmer Café D’Art stattfand. Musikalisch eingerahmt von den Unplugged Heroes der Roadstring Army präsentierte die Moderatorin und Impro-Artistin Wibke-Juliana Richter locker-flockig regionale Kleinverlage und Autoren, die sich allesamt lustvoll abseits des literarischen Mainstreams bewegen. Ausgesprochen gut vorbereitet, moderierte Richter souverän, aber auch mit augenzwinkerndem Mut zur Lücke durch einen ebenso informativen, wie überaus unterhaltsamen Abend.

Den Beginn machte der Danube Books Verlag Ulm, der es sich, vertreten durch Thomas Zehender, zur Aufgabe gemacht hat, die kulturelle Vielfalt des Donauraums und seiner Anrainerstaaten zwischen Buchdeckeln zu verewigen. Dabei präsentierte Zehender das mehrsprachige Werk „Skizzen aus Slawonien“ von Damir Rajle oder Josef Traberts „Die zweite Heimat. Eine Familienchronik aus Südungarn.“ Aber auch Werke wie Sieger Heinzmanns „Mein Designer-Leben nach der HfG Ulm“ belegen die literarische Vielfalt des Danube Books Verlag. Wiewohl Thomas Zehender, im Hinblick auf das, was im Laufe des Abends noch folgen sollte, eher trocken daherkam, gab er zwischen den Zeilen dennoch einige tiefgehende Einblicke in seine Verlagsarbeit.

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Literaturwoche Donau (14.04.2016 – 07.05.2016)

literaturwoche„Kleine feine Literaturveranstaltungen abseits des Üblichen – das wollen wir anbieten. Ob mit dem eigenwilligen LiteraLotto, den Literaturreihen in und um Ulm herum an ungewöhnlichen Orten wie bei “Natürlich: Literatur” (Botanischer Garten Ulm) – Literatur begegnen und entdecken, die nicht auf dem Wege geldintensiver Marketingstrategien entsteht, neue Autoren und verkannte Genies“ – das haben sich die Veranstalter der Literaturwoche Donau auf die Fahnen geschrieben.

2013 wagten die Begründer ein Experiment: Da gab es eine kleine Literaturwoche in der Ulmer Griesbadgalerie mit einigen ausgesuchten Autoren aus Ulm, Neu-Ulm, Wien, Pforzheim und Weissenhorn. Auch fand in diesem Rahmen der Testlauf des amüsanten Impro-Literaturformats “Chaoslesen” statt, das 2013/2014 im Theater Neu-Ulm von Heinz Koch und Florian L. Arnold bestritten wurde und mit LiteraLotto seine aktuelle Form gefunden hat.

2015 fand ab dem 9. Juni die dritte Literaturwoche statt.
Gemeinsam mit der Kulturbuchhandlung Jastram, der Griesbadgalerie und der “Stiege” Ulm sowie den Spielorten Stadtbibliothek Ulm, Botanischer Garten der Universität Ulm, Brett im Schtoi (Pfaffenhofen/Roth) sowie dem Wileykiosk (Neu-Ulm) wurde für Ulm und weit drumherum ein literaturzentriertes Programm angeboten, das den unabhängigen Verlegern, Verlagshäusern, ihren Programmen und ihren Autoren gewidmet war.

Literatur bedeutet nicht, mit großen Budgets Bestseller zu produzieren.
Literatur ist Erzählen, Experimentieren und Denken.
Literatur ist das, was ungeplant zwischen Autor und Publikum geschehen kann.
Alle Spielarten des literarischen Schaffens erfahren wir in Lesungen und Autorengesprächen.
Dazu gibt es kleine feine Ausstellungen mit Buchkunst sowie Theater- und Kabarettabende.

2016 geht es weiter: Mit Unterstützung der NU KUNST und privaten Sponsoren wird die Ulmer Literaturwoche zum vierten Mal aufgelegt – leider mochte sich die Stadt Ulm nicht zu einer weiteren Unterstützung von Literatur im Rahmen der Literaturwoche entschließen.

Die Literaturwoche Donau findet vom 14.04.2016 – 07.05.2016 an verschiedenen Spielorten in und um Ulm statt.

Programmflyer im PDF-Format als Download

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Der Moment
Des Wimpernschlags
Risse im Gefüge
Des Universums
Dass jede Sekunde
Kollabiert

Der Geschmack
Von Asche im Mund
Im Augenblick
Des Aufwachens
Weil jede Minute
Die Welt birst

Das Rauschen im Ohr
Ein Erbeben
In der Wand
Regelmäßig
Wenn nebenan
Die Klospülung geht

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