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Die Autorenseite von Martin Gehring

Kategorie: Leseprobe

Hege Fehden von Carlo Spiller

spillerImmer wieder präsentiere ich bei Reimwerk in loser Folge (in meinen Augen) herausragende und durchaus ungewöhnliche Beiträge spannender Autorinnen und Autoren. Heute möchte ich, im Rahmen dieser Serie, den jungen Schweizer Schriftsteller und Lyriker Carlo Spiller und den Text «Hege Fehden» aus seinem neuen, noch unveröffentlichten Buch vorstellen:

Carlo Spiller, 1990 in Zürich geboren, studierte Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften und Philosophie an der Universität Zürich, danach am Schweizerischen Literaturinstitut. Zahlreiche Auftritte bei Poetry Slams im deutschsprachigen Raum. 2015 erschien sein Debüt «Das Scheitern der Schmetterlinge» im Amsel Verlag Zürich. 2016 erhielt er das Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Er schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte.


+++ Hege Fehden +++

 

Hege insgeheime Fehden. Singe das Hohelied

Auf dem Fahrrad. Artikuliere, was als

Pfand in meine Hand kam. Zirkuliere

In meinem Mund die Silben, Jahrgangsjamben,

Enjambements erlesenster Auswahl, so gedeihen sie

Nur im Herbst. Mein Haupt umrankt

Von krausem Wein, am frühen Morgen.

Ein Ausflug, Rückkehr zur Jahreszeit, mein

Bruder wann fischen wir? Der Horizont

Umnachtet von gebüssten Nebeln, grüsse freundlich.

El Pollo – „Beauty And The Book Award“ plus Leseprobe

el-pollo-cover-webNach 2014 und 2015 lobt die Stiftung Buchkunst gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse zum dritten Mal den „Beauty And The Book Award“ aus. Dabei können Interessierte über die Cover von Büchern abstimmen. Die 10 meistbewerteten Cover kommen nach dem Online-Voting auf die Shortlist. Über den endgültigen Siegertitel wird schließlich am 22.10.2016 auf der Frankfurter Buchmesse entschieden. Grund genug, meinen, von Hühnern bevölkerten, Westernroman „El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica“ zur Auswahl zu stellen.

Wer für „El Pollo“ – Entscheidung in der Sierra Chica voten möchte, kann dies HIER tun. Einfach anklicken, voten und freuen.

Als Belohnung für Euren Fleiß gibt es an dieser Stelle ein weiteres Kapitel aus meinem preisgekrönten Westernschundroman, ähm… -epos zu lesen. Viel Spaß mit der Leseprobe und votet, was das Zeug hält. Vielen Dank im Voraus.

Hühnergeier

Am späten Vormittag des folgenden Tages rumpelte Monsieur Coq auf seinem Planwagen durch ein langgezogenes, karg bewachsenes Tal am Ostrand der Sierra Chica. Sancho saß bei dem Händler auf dem Kutschbock, während sein Klapperhase in gemütlichem Tempo neben dem Fuhrwerk her hoppelte. Sie hatten schon früh am Morgen ihr Camp abgebrochen und hofften, im Laufe des Nachmittags den Ort San Fernando zu erreichen.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 6

Kapitel 6 – Der Limbus des Unbewussten

Immer rasanter wurde die wilde Fahrt auf dem ungezähmten Strom der Gefühle. Ich hielt mich an den morschen Bordwänden meines Kahns fest, beobachtete, wie die Flussufer an mir vorbei jagten und stellte mir bang die Frage, ob ich nicht einen Fehler gemacht hatte, als ich beschloss, mich auf diesen Teil meiner Suche zu wagen. Doch es bestand kein Zweifel, dass dies der richtige und einzige Weg sein musste, denn der Nullbock hatte mich mehr oder minder mit Nachdruck in mein steuerloses und zerbrechliches Gefährt befördert. Wie ein Papierschiffchen jagte und kreiselte mein Boot unkontrolliert durch tückische Stromschnellen und über gefährliche Untiefen. Manchmal spürte ich, wie sein Kiel am Grund des Flusses entlang schabte und das Holz der Planken knarzte und ächzte, wenn das Fahrzeug gegen eine Wasserwalze ankämpfte. Plötzlich trieb mein Gefährt geradewegs auf einen schroffen Felsen zu, der mitten aus dem Fluss ragte und den Weg versperrte. Verzweifelt suchte ich etwas, womit ich das Boot an dem Hindernis vorbei steuern konnte, doch mein Rucksack, in dem ich irgendein Hilfsmittel zu finden hoffte, war vor kurzer Zeit bei der riskanten Passage über einen kleinen Wasserfall über Bord gegangen. Da auch keine Riemen oder ein Steuer vorhanden waren, versuchte ich schließlich mit bloßen Händen paddelnd und rudernd den heimtückischen Felsen zu umschiffen. Doch es war alles vergebens – der Kahn ließ sich nicht von mir navigieren und krachte schließlich in voller Fahrt gegen das Riff, an dem er in tausend Stücke zerschellte. Ich wurde ins Wasser geschleudert.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 5

Kapitel 5 – Der Strom der Gefühle

Ich hatte gerade den ersten Schluck Wasser aus dem Bach genommen, als ich mich auf der Stelle herrlich erfrischt fühlte. Gierig trank ich weiter, um meinen Durst zu löschen. Mein Kopfschmerz löste sich auf wundersame Weise auf und das Schwindelgefühl, hervorgerufen vom Alkohol, verschwand. Dann zog ich meine Kleider aus, legte sie am Ufer des Baches zusammen und stieg in das kühle Wasser. Ich spürte, wie meine Haut angenehm zu kribbeln begann und meine Knochen und Gelenke knackten. Ich fühlte mich herrlich. Mit einem Mal, zuerst ganz langsam, dann immer schneller begann das Wasser im Bach zu steigen. Rasch kletterte ich ans Ufer zurück und schnappte mir meine Kleidung. Immer weiter stieg das Wasser und das vormals gemütlich gluckernde Bächlein verwandelte sich in einen reißenden Fluss. Ich konnte mich gerade noch auf eine kleine Anhöhe retten und sah von dort zu, wie das Wasser begann, die ganze Ebene unter mir zu überfluten. Ich setzte mich, um meine Situation zu überdenken. Noch während ich nachdachte, bemerkte ich, wie sich das Wasser wieder zurückzog und in sein Bachbett heimkehrte, als wäre nichts geschehen.

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Die Suche nach dem Vogel / Einschub des Autors

Ein Einschub des Autors

An diesem Punkt der Geschichte hält der Autor inne. Er legt die Feder beiseite, schraubt das Tintenfass zu und sortiert das bislang Geschriebene, um sich einen kritischen wie auch skeptischen Rückblick auf den bisherigen Fortgang der Erlebnisse seines Hauptdarstellers zu gönnen. Und nach gründlichem Studium des bislang Geschehenen muss er am Ende bedauerlicher Weise eingestehen, dass er sich in eine nahezu ausweglose Sackgasse geschrieben hat. Da es nun gilt, die Ursache für diese bedauerliche Situation zu finden und sie aufzulösen, öffnet der Autor hier eine Klammer, um seine Gedanken und Erkenntnisse einzuschieben. Die Probleme, so findet er heraus, beginnen offenbar während der Odyssee seines Helden durch das Labyrinth der Entscheidungen.

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El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica / Leseprobe

el-pollo-cover-webEl Pollo

El Pollo war eine Gestalt von sagenhaftem Ruf. Wenn man den aberwitzigen Erzählungen und Spekulationen, die rund um die Sierra Chica kursierten, Glauben schenken durfte, war El Pollo mindestens doppelt so groß wie ein normaler Hahn. Er hatte pechschwarzes, in der Sonne blaugrün glänzendes Gefieder. Ein kolossaler feuerroter Kamm mit einem Durchschussloch zierte sein mächtiges Haupt. El Pollo hatte stechend schwarze Augen und den spitzesten Schnabel ringsum. Er war stets einen schwarzen Poncho gekleidet und hatte einen gewaltigen, mit Silberfäden durchwirkten Sombrero der gleichen Farbe auf dem Kopf. Zudem sah man ihn nie ohne seine Gesichtsmaske. Um die Hüfte trug er einen breiten Patronengurt mit einer silberglänzenden, riesigen Gürtelschnalle, in die sein Porträt ziseliert war. Links und rechts hingen in ledernen, mit goldenen Nieten verzierten Holstern herrlich gearbeitete Bohnenrevolver, die stets gut geölt und schussbereit waren. Lederne Reitstiefel mit polierten Sporen komplettierten das Bild, das sich dem Betrachter von El Pollo darbot.

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