- Reimwerk -

Die Autorenseite von Martin Gehring

Kategorie: Lyrik (Seite 1 von 5)

Programmende

Die Küche
Die Mikrowelle
Der Toaster
Das Erschrecken

Gstanzl zum Oktoberfest

Auf der Wiesn, do is lustig.
Auf die Wiesn muaß ma geh’n,
weil do kannst an ganzen Haufen
einig’schmeckte Deppen seh’n.

Unser Madl braucht a Dirndl,
drum hupf mer glei in’d Stadt
und holen’s uns beim Lidl,
weil der Dirndln billig hat.

Krachlederne san teuer,
Ja, san die denn verruckt?
Mei Hos‘ is net aus Leder,
doch in Krachoptik bedruckt.

Jetzt schau‘ mer aus wie Trottln.
So a bisserl grenzdebil.
Ja, mir ham a Bayernticket
und die Wiesn ist das Ziel.

Mir geh’n glei‘ ins erste Bierzelt,
weil mir ham an Riesendurscht.
A Maß Bier kost‘ zwar zehnneunzge,
aber dös is uns heut‘ wurscht.

Weil die Maßen so schlecht g’schenkt san,
bestell mer schnell no‘ zwei.
Unser Madl will jetzt weiter,
also press‘ mer’s in uns nei.

Vor’m Scheißhaus wart‘ a Schlang’n,
so lang halt mer’s nimmer aus.
Willst du auf der Wiesn biseln,
gehst halt ganz schnell hinten naus.

Mir ham no net ganz ab’klopft
kommt der Sheriff mit am Stern.
Wildes biseln: Vierzig Euro,
uns ist’s leichter, mir zahl’n gern.

Jetzt kriegt’s Madl no a Herzerl,
und der Geldbeutel ist leer.
Und mir Buam, mir san recht b’suffa.
Grad so passt’s, was woll’mer mehr.

Auf der Heimfahrt wird’s uns übel
und mir fühl’n uns elend krank,
doch im Zug lasst sich’s g’scheit kotzen.
Jetzt is besser, Gottseidank.

Und am Sonntag früh um oanse
samma endlich wieder z’haus.
Neggschtes Jahr ist au a Wiesn.
Ja, da fahr’n mir wieder naus.

Unbestimmt

Was vor der Zigarette
danach geschah?
Darüber halten die
Beteiligten Stillschweigen.
Verlautbarungen
(wiewohl offiziell)
aus der Luft gegriffen.
Und im Ministerium
für vage Vermutungen
tagt der Krisenstab.

Getaucht

Weltkakophonie
Über sich lassen
Wogenbrüllen
Von der nassen Seite
Und fern
Das Knirschen
Der Zahnwale

Buchvorstellung „Warten“ von Dagmar Herrmann

cover_warten-fuer-webWarten von Dagmar Herrmann

· warten ·

„… auf das traumboot der liebe wer einsteigt macht sich keine gedanken ob es ab nach kassel ins blaue oder ins tal der tränen geht umsteigen auf seenotkreuzfahrt schiff mit bumsfallera geht es weiter wenn das auge auch nicht trocken bleibt weiß der blinde passagier wo die fahrt endet · warten · …“

In ihrem neuen Buch führt die Bremer Autorin Dagmar Herrmann den Leser durch das weitläufige Universum des Wartens und beschreibt Kapitel um Kapitel einen Zustand, der alles andere als Stillstand ist. Wortgewaltig füllt sie die vermeintliche Leere und Sinnlosigkeit des Wartens mit Anspielungen, Beschreibungen und Details zur Befindlichkeit der Welt und der Gesellschaft. „Warten“ ist ein Werk, das durch seine verblüffende Vielschichtigkeit und Aussage das Publikum geradezu herausfordert, Zeiten des Verharrens und des Wartens mit Sinn und Leben zu erfüllen.

bio-bildAutorin:

Dagmar Herrmann, ein waschechtes Arbeiterkind aus dem Bremer Westen, Autodidaktin, kann sich seit ihrem Ruhestand intensiv ihren Lieblingsbeschäftigungen, dem Schreiben und Malen widmen. In oft melancholischen, bisweilen ironischen oder humorvollen Kurzgeschichten und Gedichten sowie Bildern reflektiert sie über die Welt und das Leben.

Seit mehr als sieben Jahren engagiert sich und veröffentlicht Dagmar Herrmann Texte, eigene Bilder und Illustrationen beim „Irrtu(r)m“, einer Initiative zur sozialen Rehabilitation. Außerdem erschienen, neben zwei Büchern, weitere Texte, Prosa und Lyrik in diversen Anthologien.

Publikationen:

Herr Wozu und sein Schlagwort – Brokatbook Verlag
Märchen im neuen Gewand – Brokatbook Verlag
Texte, Prosa und Lyrik, in Anthologien im Dorante-Verlag/ Literaturpodium sowie Gedichte in der Frankfurter Bibliothek

Warten – Dagmar Herrmann
Taschenbuch: 124 Seiten
Verlag: Edition Dreiklein (21. November 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3981728156
Größe und/oder Gewicht: 12 x 0,7 x 19 cm

VolksLyrik – Der neue Gedichtband von Marco Kerler

volkslyrik-mock-upVolksLyrik
von Marco Kerler

Jetzt verfügbar!

Mit seinem Projekt VolksLyrik wagte der Ulmer Dichter Marco Kerler das mehrtägige Live-Experiment, seinen Besuchern Lyrik näherzubringen, indem er sie vor Ort in seinen Schaffensprozess integrierte. Dabei ging er weit über das bloße „dem Volk aufs Maul schauen“ hinaus. Er sammelte die Gedanken, Erinnerungen und Wünsche seiner Interviewpartner und konservierte sie lyrisch in der Zeitneutralität des Papiers.

9 Tage
Unzählige Kippen
100 Gedichte
Und Kaffee

Zum Autor:

Der Lyriker Marco Kerler ist 1985 in Ulm geboren und lebt immer noch dort.
Texte von ihm sind in diversen Anthologien und Magazinen veröffentlicht.
2011 erhielt er beim Förderpreis für junge Ulmer Kunst in der Sparte Literatur die Anerkennung der Stadt Ulm.
Er präsentiert seine Texte gerne live mit Musikern.

Mitgliedschaften:

Kunstwerk e.V. Ulm, Hauptverantwortlicher für Literatur
Literatursalon Ulm e.V., Gründungsmitglied
Ulmer Gestalten
Ulmer Autoren `81 e.V.

Einzelpublikationen:

2007 Damn Poetry, Cosmopolitan Art Verlag, Temeswar
2010 Notgroschen, Chapbook mit Collagen
2015 Schreibgekritzel, Manuela Kinzel Verlag, Göppingen

VolksLyrik
Marco Kerler
edition dreiklein
214 Seiten
12×19 cm
ISBN: 978-3-9817281-4-9
Preis: € 14,-

Ewige Liebe

In tiefer Gruft auf steinern Bette
Da liegen knochig zwei Skelette
Eins ist Frau und eins ist Mann
Einand in Liebe zugetan

Sie schieben schabend Schäd an Schädel
Lass dich küssen Knochenmädel
Und denken dabei Ach uns deucht
Hier war einst Zunge wars einst feucht

Nun rutscht sie kratzend immer tiefer
Will spüren Festes weit im Kiefer
Sie tastet suchend Alles leer
Rund um sein Schambein ist nichts mehr

Auch er fühlt nach dem bebend Runden
Nur was er wähnt bleibt ungefunden
Längst Haar und Hügel sind gewichen
Zu lange sind sie schon verblichen

Sie fleht Komm nimm Dein Wadenbein
Und stoß es tief in mich hinein
Der Knochen klappert hohl im Becken
Reibt sich in Kurven stößt an Ecken

Doch balde ist die Lust verflogen
Manch Rippe wird zurechtgebogen
Und wispernd raunt er Ach ich hätte
So gern jetzt eine Zigarette

Dann legen sie sich beide nieder
Probierns in hundert Jahren wieder
Innig verliebt sind zwei Skelette
In tiefer Gruft auf steinern Bette

Treibgut

Das Leben ein Auto
vor sich hergeschoben
mit angezogener Bremse
Warum alles oder etwas
Das Heute ist morgen
auch noch dringend
Aufschübe wegdelegiert
Geschlossene Augen
garantieren Unsichtbarkeit
Suche nach dem Notausgang
als Freizeitausgleich
Rennen ohne Ankommen
Der Fluchtweg ist das Ziel
Das Ziel ist ein Berg
der unbezwungen bleibt

Dabei sein ist alles

Am Kiosk lungern
Sportgymnastinnen
Wurfbereit die Keule
Schminke und Trikot
auf Gleichheit gebürstet
Betonierter Charme
selbst errichteter
Sportgaststätten
Eigenleistung bröckelt
an den Aussenbereichen
Leerstände auf Tribünen
Befohlener Applaus
Der Traum von Gold
zerbricht auf Matte
wie am Beckenrand
Ein später Platzwart
sprüht mit Lufterfrischer
den Geruch von Sieg
aus der Herrenumkleide
und die Enttäuschten
gehen ihrer Wege

Hege Fehden von Carlo Spiller

spillerImmer wieder präsentiere ich bei Reimwerk in loser Folge (in meinen Augen) herausragende und durchaus ungewöhnliche Beiträge spannender Autorinnen und Autoren. Heute möchte ich, im Rahmen dieser Serie, den jungen Schweizer Schriftsteller und Lyriker Carlo Spiller und den Text «Hege Fehden» aus seinem neuen, noch unveröffentlichten Buch vorstellen:

Carlo Spiller, 1990 in Zürich geboren, studierte Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften und Philosophie an der Universität Zürich, danach am Schweizerischen Literaturinstitut. Zahlreiche Auftritte bei Poetry Slams im deutschsprachigen Raum. 2015 erschien sein Debüt «Das Scheitern der Schmetterlinge» im Amsel Verlag Zürich. 2016 erhielt er das Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Er schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte.


+++ Hege Fehden +++

 

Hege insgeheime Fehden. Singe das Hohelied

Auf dem Fahrrad. Artikuliere, was als

Pfand in meine Hand kam. Zirkuliere

In meinem Mund die Silben, Jahrgangsjamben,

Enjambements erlesenster Auswahl, so gedeihen sie

Nur im Herbst. Mein Haupt umrankt

Von krausem Wein, am frühen Morgen.

Ein Ausflug, Rückkehr zur Jahreszeit, mein

Bruder wann fischen wir? Der Horizont

Umnachtet von gebüssten Nebeln, grüsse freundlich.

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