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Die Autorenseite von Martin Gehring

Kategorie: Prosa (Seite 2 von 3)

El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica / Leseprobe

el-pollo-cover-webEl Pollo

El Pollo war eine Gestalt von sagenhaftem Ruf. Wenn man den aberwitzigen Erzählungen und Spekulationen, die rund um die Sierra Chica kursierten, Glauben schenken durfte, war El Pollo mindestens doppelt so groß wie ein normaler Hahn. Er hatte pechschwarzes, in der Sonne blaugrün glänzendes Gefieder. Ein kolossaler feuerroter Kamm mit einem Durchschussloch zierte sein mächtiges Haupt. El Pollo hatte stechend schwarze Augen und den spitzesten Schnabel ringsum. Er war stets einen schwarzen Poncho gekleidet und hatte einen gewaltigen, mit Silberfäden durchwirkten Sombrero der gleichen Farbe auf dem Kopf. Zudem sah man ihn nie ohne seine Gesichtsmaske. Um die Hüfte trug er einen breiten Patronengurt mit einer silberglänzenden, riesigen Gürtelschnalle, in die sein Porträt ziseliert war. Links und rechts hingen in ledernen, mit goldenen Nieten verzierten Holstern herrlich gearbeitete Bohnenrevolver, die stets gut geölt und schussbereit waren. Lederne Reitstiefel mit polierten Sporen komplettierten das Bild, das sich dem Betrachter von El Pollo darbot.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 4

Kapitel 4 – Ein Traum

Während ich schlief, hatte ich einen seltsamen Traum. Mir träumte, mein Kopf wäre eine Weltkugel. Anstelle meiner Augen hatte ich zwei große, klare Seen, gefüllt mit kaltem, blauem Wasser. Meine Nase war ein hohes und zerklüftetes Gebirge, in welchem sich unergründlich tiefe Höhlensysteme erstreckten. Wo mein Mund war, befand sich nun eine bodenlose Schlucht, die von einem reißenden Wildbach durchzogen war. Wasserfälle stürzten tosend in den Canyon und flossen irgendwohin in den Bauch der Weltkugel ab, um anderswo wieder zu Tage zu treten. Südlich endete die Schlucht in einem unwirtlichen Gestrüpp aus dornigem, harten Strauchwerk. Auf meiner Stirn hatte sich eine von endlos langen und verwitterten tektonischen Verwerfungen durchzogenene Wüste gebildet. Im Westen wie im Osten wurde diese Ödnis von zwei labyrinthischen Karsterhebungen begrenzt. Im Norden schloss sich ein großer und undurchdringlicher Wald an die Wüste an. Dieser Wald bedeckte beinahe den ganzen Rest der Erdkugel, die einst mein Kopf war und schloss an einem wuchtigen attischen Podest, dass mit allerlei Friesen, Reliefs, Rocaillen und weiterem dekorativen Zierrat geschmückt war. Dort stand Atlas, ein Riese von titanischer Statur mit zwei mächtigen, spitzen Hörnern auf dem Kopf und trug den gesamten Erdball auf seinen breiten Schultern.

Zwischen den beiden Seen, am Rande der nördlichen Wüste lag in einer fruchtbaren, mit Palmen bewachsenen Oase eine herrliche, orientalisch anmutende Stadt. Ihre prächtigen Häuser, Türme und Kuppeln und Minarette waren für müde Reisende weithin sichtbar. Umgeben wurde die Stadt von einer hohen zinnenbewehrten Stadtmauer, in die vier imposante Tore eingelassen waren. Breite, aus schneeweißem Marmorstein gepflasterte Straßen kamen aus allen vier Himmelsrichtungen und trafen sich auf einem riesigen, quadratischen Platz im Zentrum der Stadt. Der Norden des zentralen Platzes wurde von einer endlosen Säulenreihe begrenzt. Diese bildete die Fassade eines eindrucksvollen Gebäudes, im gesamten Erdkreis bekannt als Der Tempels Des Wissens.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 3

Kapitel 3 – Das Labyrinth der Entscheidungen

Labyrinthe sind bekanntermaßen eine überaus scheußlich verworrene und unübersichtliche Angelegenheit. Einmal hineingeraten, ist es meistens nicht ganz einfach, so ohne Weiteres wieder herauszufinden. Beim Labyrinth der Entscheidungen ist das im Grunde genommen nicht anders. Allerdings verfügt es über ein ausgesprochen tückisches Detail: Wenn man vor dem Labyrinth steht, führt ein Weg nach links und der andere nach rechts. Und an den Enden beider Wege sieht man den Ausgang des Irrgartens. Man könnte also der Fehleinschätzung erliegen, dass das Labyrinth der Entscheidungen eine simple, leicht im Vorübergehen zu erledigende Angelegenheit wäre. Einfach in einen der beiden Gänge hinein spazieren, am anderen Ende wieder hinaus, möchte man meinen. Aber wie so vieles im Leben ist das ein gewaltiger Irrtum, wie wir gleich feststellen müssen.

Dessen nicht so recht eingedenk, ließ ich mich von der vermeintlichen Einfachheit des Labyrinths blenden und marschierte in den linken Gang. Ich war gerade los gelaufen, als ich mir überlegte, ob ich gleich am Ausgang, der direkt vor mir lag, eine Rast machen oder noch ein Stück weiterwandern sollte. In diesem Moment teilte sich der Gang, denn ich hatte einen Entscheidungsprozess angestoßen. Links winkte verheißungsvoll die Rast, rechts ging es zum Weiterwandern. Sollte ich nun den linken oder den rechten Gang nehmen? Im selben Augenblick verfluchte ich mich selbst für diese Überlegung, denn der Gang teilte sich erneut. Nun hatte ich schon vier Möglichkeiten. Ich musste zwischen Links, Rechts, Rast und Weiterwandern entscheiden.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 2

Kapitel 2 – Der Große Attraktor

AttraktorIch ging durch Die Türe, nicht ohne mich noch einmal gründlich zu vergewissern, dass sie nicht doch versehentlich zufallen könnte und blickte in den Gang, der sich vor meinen Augen erstreckte. Anfangs verlief er schnurgerade und war zudem vollkommen schmucklos. An seiner Decke zog sich ein einzelnes Kabel entlang, das in regelmäßigen Abständen von Lampen unterbrochen wurde. Ich knipste den Lichtschalter an und sofort wurde der Gang von einem fahlen, leicht dämmrigen Licht ausgeleuchtet. Ich holte tief Luft, als müsste ich einen langen Tauchgang ohne Atemgerät absolvieren und marschierte entschlossen los. Nach einem kurzen Stück Weges erreichte ich auf der linken Seite des Ganges die Türe zum Raum, der den Großen Attraktor beherbergte. Ich beschloss, dort noch schnell nach dem Rechten zu sehen und trat in die Kammer ein. Neben dem Eingang stand eine hölzerne Werkbank mit verschiedenstem Werkzeug und einem Ölkännchen darauf. In der Mitte des Raumes stand der Große Attraktor selbst. Genau genommen war der Große Attraktor nicht einmal besonders groß oder gar beeindruckend. Es handelte sich viel mehr um eine schmucklose, quaderförmige Konsole von der Größe eines Schreibtisches.

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Die Suche nach dem Vogel / Teil 1

Kapitel 1 – Die gute Stube

Neulich sagte jemand zu mir: “Du hast ja einen Vogel” und tippte sich dabei an die Stirn. Das war seltsam, denn zuerst wusste ich nicht so recht, was mein Gegenüber damit eigentlich meinte. Schließlich hatte ich keinen Flattermann, ob Wellensittich oder Kanarienvogel, daheim in meiner Stube. Nur zwei Katzen. Und die sollte man, wie ein Jeder weiß, nicht zusammen mit Vögeln halten, denn das würde unter Umständen ein überaus böses und blutiges Ende nehmen. Doch bald schon ahnte ich was seine Geste bedeutete: Mit dem Tippen an seine Stirn meinte mein Gesprächspartner sicherlich, ich hätte einen Vogel, der sich in meinem Oberstübchen niedergelassen hatte. Und da ich mir nicht so ganz sicher war, ob er mit seiner Behauptung vielleicht nicht doch recht haben könnte, beschloss ich, den heiligen Hallen zwischen meinen beiden Ohren wieder einmal einen ausgedehnten Besuch abzustatten, um nachzusehen, ob dort nicht tatsächlich ein gefiederter Freund Logis genommen hatte.

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Das Kulturgespenst

kulturgespenstDieser Beitrag, lieber Leser, möchte sich im Rahmen einer kleinen Geisterkunde einem besonders bedauernswerten Wesen der Schattenwelt widmen: Dem Kulturgespenst. Vorab ist jedoch anzumerken, dass schon seit vielen Jahren unter den Parapsychologen ein erbitterter Streit schwelt, ob es sich beim Kulturgespenst um ein Gespenst im eigentlichen Sinne handelt. Während die eine Seite auf der Meinung beharrt, das Kulturgespenst sei dem Kreis der überwiegend lebenden Wesenheiten zuzuordnen, räumt die andere Fraktion immerhin ein, man hätte es mit einer nur “mehr oder weniger” toten Geistererscheinung zu tun. So absurd es klingen mag, aber der wissenschaftlich ungeklärte Seinsstatus des Kulturgespenstes wird dieser Kreatur nur gerecht. Zusammenfassend ist zu sagen: Alles, was das Kulturgespenst betrifft, ist in der einen oder anderen Form kompliziert.

Das Kulturgespenst manifestiert sich meist in weiblicher Gestalt, ist über die Maßen schlank – man könnte es beinahe schon als ausgemergelt und verhärmt bezeichnen, mehr oder minder durchsichtig und meistens in Kleidung in Erdtönen gehüllt. Lediglich ein farbenfroher Schal ist als Kontrast gestattet. Meist trifft man das Kulturgespenst in Galerien oder auf Vernissagen an, wo es hohlwangig und vollkommen durchgeistigt in unerträglicher Langsamkeit von Gemälde zu Gemälde wandelt oder auch levitiert und dabei Dinge wie “Dieses Bild hat so eine stille Intensität.” oder “Jene Zeichnung ist von schreiender Transzendenz.” vor sich hinmurmelt. Auch auf Konzerten, ganz gleich, ob klassisch oder modern, ist das Kulturgespenst häufig zu finden. Dabei kauert es wie paralysiert an seinem Platz, die Augen geschlossen, den Kopf leicht schräg und gibt sich dem Musikgenuss hin. Eine weitere Erscheinungsform des Kulturgespenstes kann man in öffentlichen Verkehrsmitteln antreffen. Dort sitzt es dann in seiner Bank, hält beispielsweise Adornos “Ästhetische Theorie” in Händen und sinniert mit leerem Blick vor sich hin oder macht sich Notizen.

Der Wissenschaftsstreit um das Kulturgespenst findet seinen Ursprung in der Tatsache, dass man mit ihm, im Gegensatz zu den meisten anderen Wesen der Schattenwelt, auf die eine oder andere Weise durchaus auch sozial interagieren kann. Davon ist jedoch dringend abzuraten, es sei denn, man ist mit unerschöpflicher Geduld ausgestattet. Das zeigt sich im Besonderen, wenn man ein Kulturgespenst zum Essen ausführt. Während man sich selbst nach einem flüchtigem Blick in die Menükarte für die Nummer 15 und ein Bier entschieden hat, blättert das Gegenüber endlos lange in der Speisekarte, erwägt und verwirft, kombiniert und schließt aus und wählt nach einem schier unendlichen und komplexen Auswahlverfahren einen kleinen gemischten Salat ohne Dressing und ein stilles Wasser. Auch die Mahlzeit selbst wird zur nervenaufreibenden Geduldsprobe. Längst hat man sein XXLSchnitzel mit großer Beilagenplatte verputzt und mehr Bier nachbestellt, da stochert und pickt das Kulturgespenst noch in seinem Salat, sortiert Tomate zu Tomate, stapelt Radieschenscheiben, arrangiert um, lässt ihn am Ende ungegessen stehen und betreibt Konversation.

Einem Kulturgespenst das Leben zu erleichtern, ist ein schlichtweg unmögliches Unterfangen, da sich dieses erbarmungswürdige Spukwesen auf Schritt und Tritt selbst Steine in den Weg legt und sein Dasein unnötig schwer macht. Jede Hilfestellung wird endlos überdacht und in all ihren Facetten ausdiskutiert, Alternativen werden gesucht und nicht gefunden: Am Ende verbleibt alles im Ausgangszustand und das Kulturgespenst schwebt zur nächsten Ausstellungseröffnung, Jazzmatinee oder schaltet auf ARTE um. So bleibt dem Geisterkundigen nur, das Kulturgespenst so hinzunehmen wie es ist, nämlich kompliziert.

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Notizen-WebtErschienen ist der Aufsatz Das Kulturgespenst in den Notizen aus dem Oberstübchen:

Notizen aus dem Oberstübchen
von Martin Gehring
(Bestellen)

Mit seinem Sammelband ‚Notizen aus dem Oberstübchen‚ nimmt der Ulmer Autor Martin Gehring den Leser mit auf eine abwechslungsreiche Expedition durch sein Gedankenuniversum.

Humorvolle Limericks wechseln sich mit überraschenden Essays und Miniaturen, spannende Erzählungen mit (un)sinnigen Gedichten ab und vermitteln so einen Einblick in die Gefühlswelt des Autors.

Notizen aus dem Oberstübchen‚ ist ein Buch zum Schmökern, Lachen und Träumen, aber zugleich auch ein Leitfaden zum eigenen Nachdenken.

Broschiert: 102 Seiten
Verlag: Manuela Kinzel Verlag
Auflage: 1 (24. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3937367989
Preis: € 9.95
Größe und/oder Gewicht: 11,3 x 1,5 x 21,1 cm

Das Bett

bett-text-in-pfadeIch arbeite fleißig an meiner Kurzgeschichte “Das Bett”, die demnächst erscheinen soll. Ich muss nur noch ein paar Bilder machen, das Ganze endgültig in Chapbook-Form bringen und schlussendlich produzieren. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Georg Sandhoff dafür bedanken, dass er den Text mit Engelsgeduld für mich lektoriert hat. Bis es jedoch soweit ist und man das Büchlein in Händen halten kann, präsentiere ich zur Einstimmung eine ganz kleine Leseprobe:

Verdammt, dieses Bett wollte ich sehen. Ich bat Claudia, kurz zu warten und wuchtete einen Kasten Bier, der noch beinahe halbvoll war, sozusagen als Gastgeschenk, aus dem Gebüsch. Dann griff sie nach meinem Schlafsack, nahm mich bei der Hand und zog mich über die Wiese hinunter zum Ufer. Ich traute meinen Augen nicht. Da stand, etwas schief und mit zwei Beinen im Wasser, tatsächlich ein großes, altmodisches Eisenbett mit gestreiften, nicht bezogenen Matratzen der Sorte Knutschpartykeller, auf denen ein paar Figuren herumlümmelten und sich zu diesem Zeitpunkt noch Hoffnungen auf einen vernünftigen Schlafplatz machten.

 (In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass irgendjemand das Bett nach dem Open-Air ein Stück weit in den Wald gezerrt hatte, wo man es noch Jahre später besichtigen konnte.)

 „Verzieht euch von meinem Bett, aber ein bisschen plötzlich“, herrschte Claudia die Typen resolut an. Die lachten aber nur hämisch und fläzten sich noch breiter hin. Ich fischte seufzend ein paar Flaschen Bier aus meiner Kiste und überließ sie ihnen unter der Bedingung, dass sie sich dafür sofort aus dem Staub machen sollten. Das klappte besser und nach einigem Hin und Her zogen die Gestalten mit meinem Bier ab und das Bett gehörte uns.

Die Hühner von Rom

Kapitol (2)Der heutige Beitrag, mein lieber wissbegieriger Leser, widmet sich der Rolle der Hühner in der Weltgeschichte. Es ist ist eine allgemein bekannte und in der Fachwelt längst bewiesene Tatsache, dass Hühner bei bedeutenden historischen Ereignissen dieser Welt immer wieder eine entscheidende Rolle zu spielen vermochten. Doch leider darf in diesem Zusammenhang auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Rolle des Huhns in der Historie oftmals eine Geschichte des Scheiterns war.

Ein hervorragendes Beispiel hierfür geben uns die heiligen Hühner des Junotempels auf dem Kapitol zu Rom. Livius berichtet uns in seiner umfangreichen Stadtgeschichte, dass auf dem römischen Tempelberg eine Schar Hühner gehalten wurde, welche die Bevölkerung Roms vor feindlichen Angriffen und der Erstürmung der Stadt warnen sollte. Unglücklicherweise ging unter den römischen Bürgern die Rede, dass mittels einer großzügigen Futterspende an die gesegneten Hühner Juno milde gestimmt würde und dies durch materiellem Reichtum sowie Kindersegen vergelte.

Als nun eines Tages die Gallier vor den Toren Roms standen, geschah es, dass die satten und wohl gemästeten Wachhühner eine gegnerische Attacke schlicht und einfach verschliefen. Lediglich ein paar Gänse, die gelangweilt an den morastigen Gestaden des Tibers nach Wasserlinsen fischten, bemerkten den frühmorgendlichen Vorstoß der keltischen Barbaren und schlugen sogleich Alarm.

Das Resultat ist hinlänglich bekannt. Nachdem der Angriff mit Müh‘ und Not abgewehrt war, wurden die Hühner des Kapitols schneller geschlachtet und aufgegessen, als sie „Gack“ sagen konnten und durch die wackeren Gänse vom Tiber ersetzt. Gleichzeitig wurde an allen vier Ecken des kapitolinischen Hügels Schilder mit der warnenden Aufschrift „PROHIBETVR PASCENTIVM“ angebracht, was nichts anderes bedeutet, als „Füttern verboten“.

Fröhliche Tierwelt

tierweltBekanntlich ist die Autobahn der Ort, an dem das wahre und wahrlich nicht nur strahlende Wesen der Menschheit zutage tritt. Und damit sind beileibe nicht ausschließlich jene Fahrzeuglenker gemeint, die glauben, sie befänden sich auf ihrer persönlichen Rennstrecke und müssten dort ohne Rücksicht auf Verluste ihr vermeintlich gottgegebenes oder vom KFZ-Hersteller ihres Vertrauens verliehene Recht des Stärkeren durchsetzen, was letztlich auf dasselbe herauskommt. Nein, das betrifft in besonderem Maße auch die Heerscharen von LKW-Fahrern, die Tag und Nacht ohne Unterlass die seltsamsten Güter durch die Lande befördern.

So zähle ich manchmal auf meinem morgendlichen Weg zur Arbeit die nahezu unüberschaubaren Massen an Lastkraftwagen der Brauerei Rapp. Dabei lag der aktuelle Rekord zum Zeitpunkt, da ich dies niederschrieb, bei sage und schreibe 34 Stück der blauen Bierbomber, die ich an einem Morgen zwischen der Autobahnauffahrt Ulm/West und der Autobahnabfahrt Merklingen passiert habe.

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Entsorgung, aber richtig

männerLetzte Nacht träumte ich von Star Trek. Jedoch fand ich mich nicht in der Welt der aktuelleren Staffeln wieder, sondern war an Bord der guten alten USS Enterprise unter dem Kommando von Käpt‘n Kirk und seiner wackeren, bunte Nickipullover tragenden Besatzung. Ich kann mich leider nur an wenige Details aus den Traum erinnern. Ich weiß jedoch, dass ich auf der Kommandobrücke der Enterprise war, als diese von bösartigen, mit einem spektakulären Arsenal an Phasern, Blastern und sonstigen Strahlenwaffen ausgerüsteten Aliens unter Umgehung des bordeigenen Transportersstrahlsystems geentert wurde. Die außerirdischen Invasoren sahen aus wie stark geschminkte, kleinwüchsige Menschen, hatten riesige, nach maskenbildnerischer Improvisation aussehende, freiliegende Gehirne, die aus einer Art von inwendig beleuchtetem Plastik zu bestehen schienen und trugen glitzernde, bodenlange, zwischen grün und blau changierende Lurexumhänge. Ich wunderte mich gerade, warum die Außerirdischen trotz ihrer überlegenen Intelligenz und ihrer phantastischen technischen Möglichkeiten ein nur sehr gebrochenes Deutsch sprachen (Wir Euch Menschenwürmern millionenfach überlegen und nun Enterprise übernehmen…), als ich unvermittelt und schlagartig erwachte.

Plötzlich aufzuwachen ist nicht gerade das Beste, was einem am frühen Morgen passieren kann. Ich fühlte mich im ersten Moment noch ziemlich verwirrt, da der Traum in meinen Zustand der Halbwachheit mit seinen (bildlich ausgedrückt) nachwirkenden Fingern an meinem Gehirn herumknetete, als sei es ein Teig. Dazu kam das ermattendes Gefühl einer körperlichen Gerädertheit und am liebsten wollte ich mich, sprichwörtlich gesagt, selbst in die Tonne kicken. Doch damit begannen auch schon die Probleme. Denn welche Tonne ist die Richtige? Man möchte zunächst meinen, die Biotonne wäre der perfekte Ort für die fachgerechte Selbstentsorgung. Aber weit gefehlt, meine Damen und Herren. Allerlei Metall im Mund wie Gold und Amalgam, diverse Piercings (so vorhanden), Schrauben, Nägel, künstliche Hüftgelenke, Brustimplantate oder Herzschrittmacher lassen den umweltbewussten und auf strikte Mülltrennung konditionierten Bürger vor dem Betreten der Biotonne zaudern, denn solch unbedachte Entsorgung verhilft nicht nur zu einem schlechten Gewissen, sondern bedeutet auch Ärger mit den stets wachsamen Müllkontrolleuren.

Dabei ist doch alles ganz einfach. Das eigens beigelegte Bilddokument zeigt, wo zum Beispiel Herren fachgerecht und umweltverträglich entsorgt werden. Abgelegte, nicht mehr benötigte Männer gehören in eigens gekennzeichnete Container, die von den örtlichen Entsorgungsbetrieben an den bekannten Sammelstellen kostenlos bereitgestellt werden. In der Tat funktioniert die Selbstzuführung in den Entsorgungszyklus wie der Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Man wählt die Türe, deren Beschriftung oder Piktogramm am ehesten dem angenommen eigenen Geschlecht entspricht, um dahinter seinen dringenden Verrichtungen nachzugehen. Und ebenso funktioniert die Selbstentsorgung: Damen gehören in den mit „Frauen“ markierten Container und Herren verfügen sich bitteschön in den Männercontainer. Und wenn man sich einmal in seiner Wahl nicht sicher ist, stehen einem das freundliche und hilfsbereite Fachpersonal der Wertstoffsammelstellen mit Rat und Tat zur Seite. Auf diese Weise kann man sich gelassen und mit dem tollen Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz geleistet zu haben, in den Recyclingkreislauf einbringen.

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