tierweltBekanntlich ist die Autobahn der Ort, an dem das wahre und wahrlich nicht nur strahlende Wesen der Menschheit zutage tritt. Und damit sind beileibe nicht ausschließlich jene Fahrzeuglenker gemeint, die glauben, sie befänden sich auf ihrer persönlichen Rennstrecke und müssten dort ohne Rücksicht auf Verluste ihr vermeintlich gottgegebenes oder vom KFZ-Hersteller ihres Vertrauens verliehene Recht des Stärkeren durchsetzen, was letztlich auf dasselbe herauskommt. Nein, das betrifft in besonderem Maße auch die Heerscharen von LKW-Fahrern, die Tag und Nacht ohne Unterlass die seltsamsten Güter durch die Lande befördern.

So zähle ich manchmal auf meinem morgendlichen Weg zur Arbeit die nahezu unüberschaubaren Massen an Lastkraftwagen der Brauerei Rapp. Dabei lag der aktuelle Rekord zum Zeitpunkt, da ich dies niederschrieb, bei sage und schreibe 34 Stück der blauen Bierbomber, die ich an einem Morgen zwischen der Autobahnauffahrt Ulm/West und der Autobahnabfahrt Merklingen passiert habe.

Der Rapp-Karawane begegne ich täglich von Montag bis Donnerstag auf der A8. Die Brauerei Rapp ist wohl irgendwo in der Ecke um Augsburg beheimatet und schickt allmorgendlich zum Zwecke der Bierverteilung Unmengen von blauen Lastern, deren Planen und Aufbauten mit den Bildern verschiedener, stets wohlgefüllter Biergläser bedruckt sind, in alle Himmelsrichtungen des Erdkreises.

Manchmal glaube ich beinahe, die Menschen in den Regionen um Stuttgart sind große Rapp-Biertrinker. Was auch kein Wunder ist, denn die allfällig bekannten ortsansässigen Biermarken, deren Namen ich hier lieber verschweigen möchte, liefern mitunter Gesöffe aus, die geschmacklich hart an der Grenze dessen liegen, was ein auch nur halbwegs trinkbares Bier ausmacht.

Das ist der Grund, weshalb lange vor Anbruch des Tages unzählige müde Könige der Landstraße in die Führerkanzeln ihrer Lastkraftwagen klettern müssen und das Rapp-Bier zum Beispiel nach Stuttgart und Umgebung spedieren. Wie Rapp schmeckt? Keine Ahnung. Ich habe es noch nie gekostet. Nur die Laster sehe ich Morgen für Morgen, wenn sie sich in Richtung Nordwesten bewegen, um Milliarden durstiger Schwabenkehlen einmal wöchentlich ihren heiß ersehnten Stoff zuzuführen.

Noch weit nach Feierabend sieht man manchmal den einen oder anderen einsamen Asphaltcowboy, voll beladen mit Leergut, auf der vorabendlichen Rückreise in die liebe Augsburger Heimat. Bestimmt hatte der unerschrockene Bierkutscher an diesem trüben Tage eine extraweite, durch Staus und Straßensperrungen ausgebremste Tour bis tief in das württembergische Kernland hinein. Und am folgenden Tag, in aller Herrgottsfrühe, muss er, der Lastwagen erneut vollbeladen mit flüssigem Hopfengold, wieder los und auf die Autobahn aufentern – hinein ins Land der Dichter, Denker und Trinker.

Gerade stelle ich fest, dass ich vom Thema abgeschweift bin, denn eigentlich wollte ich in diesem Aufsatz eine Fotografie präsentieren, die ich vor einiger Zeit auf der Autobahn geschossen habe. Ich hoffe nur inständig, dass ich nicht irgendwann von der Polizei dabei erwischt werde, wie ich in voller Fahrt Handyfotos von meiner Umgebung knipse. Wenn ich das jedoch nicht täte, würde mir natürlich so einiges entgehen, was ich Dir, als interessiertem Leser, auf keinen Fall vorenthalten möchte.

Da sind auf der Rückwand eines vor mir fahrenden Lastkraftwagens wahrlich glückliche und vergnügte Nutztiere abgebildet. Eine breit grinsende Kuh und ein fröhlich lachendes Schwein. Dem aufmerksamen Beobachter stellt sich allerdings die Frage, weshalb sie so ausgelassen sind? Vielleicht liegt es daran, dass man sie in Bälde auslässt? Zumindest die Speckseiten. Oder was sonst noch an fettigem und tranigem Ekelzeugs übrigbleibt, nachdem sie elektrogeschockt, mit einem Bolzen versehen, gebrüht, abgezogen, vom Veterinär begutachtet und gestempelt, ausgeweidet, zerwirkt und in Einzelteilen eingeschweißt zum hungrigen Konsumenten weiterbefördert und mit einem feinen Schluck Bier von Rapp in Richtung Verdauungstrakt gespült wurden.

Richtig: Das Fahrzeug vor mir ist ein Schlachtviehtransporter, vollgeladen mit fröhlich rauchenden, saufenden und Skat spielenden Schweinen auf ihrem finalen Betriebsausflug mit dem Ziel, sie ihrer wahren und edlen Bestimmung, nämlich der Eingliederung in die Nahrungskette, zuzuführen. Jetzt, wo ich weiß, wie sehr sich die Viecher freuen, wenn es zum Schlachthof geht, schmeckt mir mein Schnitzel noch viel besser. Darum lieber Leser: Sorge Dich nicht, wenn Dir der nächste Viehtransporter begegnet. Die Passagiere haben garantiert ihren Spaß und brennen geradezu darauf, Dich in Kürze beim Metzger Deines Vertrauens oder im Supermarkt begrüßen zu dürfen.

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