- Reimwerk -

Die Autorenseite von Martin Gehring

Neu-Ulm

Von Pflasterstein
zu Pflasterstein
Zebrastreifen zur Schule
Winkende Schülerlotsen
Den Schatten berühren
bringt sicheres Unglück
Vanilleeis oder Schoko in Silberpapier
Mit der Milchkanne in den Laden
Keine Bonbons von fremden Männern
Die nette Verkäuferin lächelt
in Kaiser’s Kaffeegeschäft
Rädchen Gelbwurst beim Metzger
Schreck Scheibenklirren
wenn der Ami seine Panzer
durch die Stadt bewegte
Leiser die Zirkuselefanten
Rüssel an Schwanz an Rüssel
Die schwarze Sägemaschine
In der Luft Geruch nach Holzvergaser
Die Überlebenden oft grau
Landsermützen noch
Billige Zigarren mit Mundstück
Ein Bein zum Humpeln an Krücken
das andere in Stalingrad geblieben
Und müde der Blick
Hier noch ein Foto
Ein alter Super 8 Film
vom braunen Cordanzug
In der Hand die Kommunionskerze

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Der Energievampyr

Jedes Jahr kommt unweigerlich die Zeit, zu der Halloween vor der Türe steht. Gibt es eine bessere Gelegenheit, auch einmal an die weniger bekannten und auch oftmals zu Unrecht verkannten Kreaturen der Monsterheit zu denken? Dieser Aufsatz, lieber Leser, möchte sich einem Wesen widmen, das kaum im öffentlichen Blickfeld steht und dennoch täglich Einfluss auf unser Leben und nicht zuletzt unseren Geldbeutel nimmt. Es handelt sich um den Energievampyr.

Der Energievampyr ist ein entfernter Vetter des gemeinen, Blut saugenden Vampyrs. Ebenfalls aus den schroffen Gebirgstälern der Karpaten stammend, ist für den Energievampyr auf Grund eines genetischen Defekts, hervorgerufen durch Jahrhunderte lange Inzucht in der transsylvanischen Abgeschiedenheit, Blut vollkommen unbekömmlich. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert und kurz vor dem Aussterben stehend, entdeckten die letzten Energievampyre jedoch die nahrhafte und belebende Wirkung des elektrischen Stromes. Fürderhin war keine Steckdose und kein Elektrizitätswerk mehr vor dem unheiligen und kostenintensiven Treiben der Energievampyre sicher.

So gut wie nie bekommt man den seltenen Energievampyr zu Gesicht. Verstohlen dringt er des Nachts in die Wohnstuben der Menschen ein, zapft die erstbeste Steckdose an, die er an der Wand findet und saugt so lange Strom ab, bis sein unbezähmbares Verlangen nach elektrischer Energie gestillt ist. Danach verschwindet er ebenso lautlos wie er gekommen ist und macht sich bald auf die Suche nach der nächsten Stromquelle. So bleibt der maßlose Stromkonsum der Energievampyre häufig unbemerkt und meist kommt das böse Erwachen für den befallenen Haushalt erst mit der nächsten Stromabrechnung.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich vor einem Angriff durch Energievampyre zu schützen. Einfache handelsübliche Babysicherungen, angebracht an den Steckdosen, sind für die lästigen Stromsauger ein unüberwindbares Hindernis. Doch gleichzeitig sollte man nicht vergessen, dass auf diese Weise einem ansonsten harmlosen und liebenswerten Wesen die Lebensgrundlage entzogen wird. Besonders im Winter sollte es uns eine Verpflichtung sein, notleidende Energievampyre mit Nahrung zu versorgen. Eine aufgeladene Autobatterie und ein Paar Starterkabel auf dem Balkon oder im Vorgarten bereitgestellt, werden von den hungernden Energieverbrauchern dankbar angenommen und garantieren ihr Überleben in schweren Zeiten.

+++

Notizen-WebtErschienen ist die Kurzgeschichte „Der Energievampyr“ in den Notizen aus dem Oberstübchen:

Notizen aus dem Oberstübchen
von Martin Gehring
(Bestellen)

Mit seinem Sammelband ‚Notizen aus dem Oberstübchen‚ nimmt der Ulmer Autor Martin Gehring den Leser mit auf eine abwechslungsreiche Expedition durch sein Gedankenuniversum.

Humorvolle Limericks wechseln sich mit überraschenden Essays und Miniaturen, spannende Erzählungen mit (un)sinnigen Gedichten ab und vermitteln so einen Einblick in die Gefühlswelt des Autors.

Notizen aus dem Oberstübchen‚ ist ein Buch zum Schmökern, Lachen und Träumen, aber zugleich auch ein Leitfaden zum eigenen Nachdenken.

Broschiert: 102 Seiten
Verlag: Manuela Kinzel Verlag
Auflage: 1 (24. September 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3937367989
Preis: € 9.95
Größe und/oder Gewicht: 11,3 x 1,5 x 21,1 cm

 

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Rettet den Golem!

Bekanntlich ist der Herbst die Phase des Jahres, während der wir uns auch einmal an unsere übersinnlichen Mitbürger erinnern. Ihren Höhenpunkt findet die Zeit des Gedenkens alljährlich an Halloween, dem Internationalen Feier- und Ehrentag der Geister und Gespenster, der Monster und Ghule, der ektoplasmatischen Nebel und grenzkörperlichen Zwischenexistenzen, der Gestaltwandler, Inkuben, Sukkuben, Vampiren, Untoten und Spektralwesen.

Aus diesem Grunde möchte ich dich, lieber Leser, an dieser Stelle auf eine ganz besonders gebeutelte Spezies aus der Schattenwelt aufmerksam machen und dein Mitgefühl für diese (man kann es durchaus so drastisch formulieren) vom unmittelbaren Aussterben bedrohten Mithalbmenschen wecken. Es handelt sich, du ahnst es wahrscheinlich schon, um die bedauernswerte Gruppe der Golems.

Der moderne Golem hat heutzutage mit vielen Schwierigkeiten und sozialen Problemen zu kämpfen. So liegt es zum Beispiel in seiner Natur, dass er aufgrund seiner lehmig-erdigen Beschaffenheit schmutzt. In einer Welt, deren Gott Hygiene heißt und sein göttlicher Atem Sagrotan, steht der Golem auf verlorenem Posten. Aus Angst vor Allergien hält sich die Menschheit von ihm fern und verbannt ihn auf diese Weise, wenn auch ungewollt, an den Rande der Gesellschaft, wo ihm nichts anderes bleibt, als kümmerlich dahin zu vegetieren.

Ein weiteres Problem, dass dem Golem schwer zu schaffen macht, ist der sich ständig beschleunigende Klimawandel, von dem unsere Welt heimgesucht wird. Der größte Feind des Golems ist bekanntlich die Trockenheit. Ein heißer und regenarmer Sommer wie der Letzte fordert gnadenlosen Tribut unter unseren lehmigen Mitbürgern. Ungenügende Flüssigkeitsaufnahme schadet der teigigen Substanz, die den Golem ausmacht. Erste Anzeichen einer Austrocknung sind quietschende Gelenke und ein knarzender, schwerfälliger Gang. Des Weiteren bilden sich Risse auf der Oberfläche des Golems und er fängt an zu bröckeln. Wird ihm weiterhin keine Flüssigkeit zugeführt, zerbröselt der bemitleidenswerte Matschmensch schließlich zu feinem Staub.

Das muss nicht sein! Geschickt platzierte Eimer mit Wasser oder ein eingeschalteter Rasensprenger, erleichterter Zugang zu Freibädern – auch außerhalb der Öffnungszeiten – oder eine im Garten vorbereitete, reichlich mit Schlamm ausgestattete Suhle zur besseren Substanzaufnahme kann unzählige Golemleben retten. Aber Achtung, lieber Leser. Vermeide es tunlichst, dem Golem Mineralwasser aus PE-Flaschen anzubieten, denn die darin gelösten Weichmacher können speziell bei jungen Artgenossen dieser Spezies verheerende Folgen haben. Schon geringste Mengen dieses heimtückischen Umweltgiftes verwandeln ehedem gesunde Junggolems in gallertene, quallenartige Schleimbeutel.

Zusammenfassend kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Golemschutz eine einfache und ohne viel Aufwand zu bewerkstelligende Sache ist. Wie man sieht können auch hier ein paar simple Tricks und Hilfestellungen das Leben einer bedrohten Gattung in Gefahr unendlich erleichtern und nicht zuletzt retten.

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Wegpunkt

Fahrstuhl zur Seele
Der Reiz einer Kollision
Köpfe und Nägel

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Programmende

Die Küche
Die Mikrowelle
Der Toaster
Das Erschrecken

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Gstanzl zum Oktoberfest

Auf der Wiesn, do is lustig.
Auf die Wiesn muaß ma geh’n,
weil do kannst an ganzen Haufen
einig’schmeckte Deppen seh’n.

Unser Madl braucht a Dirndl,
drum hupf mer glei in’d Stadt
und holen’s uns beim Lidl,
weil der Dirndln billig hat.

Krachlederne san teuer,
Ja, san die denn verruckt?
Mei Hos‘ is net aus Leder,
doch in Krachoptik bedruckt.

Jetzt schau‘ mer aus wie Trottln.
So a bisserl grenzdebil.
Ja, mir ham a Bayernticket
und die Wiesn ist das Ziel.

Mir geh’n glei‘ ins erste Bierzelt,
weil mir ham an Riesendurscht.
A Maß Bier kost‘ zwar zehnneunzge,
aber dös is uns heut‘ wurscht.

Weil die Maßen so schlecht g’schenkt san,
bestell mer schnell no‘ zwei.
Unser Madl will jetzt weiter,
also press‘ mer’s in uns nei.

Vor’m Scheißhaus wart‘ a Schlang’n,
so lang halt mer’s nimmer aus.
Willst du auf der Wiesn biseln,
gehst halt ganz schnell hinten naus.

Mir ham no net ganz ab’klopft
kommt der Sheriff mit am Stern.
Wildes biseln: Vierzig Euro,
uns ist’s leichter, mir zahl’n gern.

Jetzt kriegt’s Madl no a Herzerl,
und der Geldbeutel ist leer.
Und mir Buam, mir san recht b’suffa.
Grad so passt’s, was woll’mer mehr.

Auf der Heimfahrt wird’s uns übel
und mir fühl’n uns elend krank,
doch im Zug lasst sich’s g’scheit kotzen.
Jetzt is besser, Gottseidank.

Und am Sonntag früh um oanse
samma endlich wieder z’haus.
Neggschtes Jahr ist au a Wiesn.
Ja, da fahr’n mir wieder naus.

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Selbstentsorgung, aber richtig

Letzte Nacht träumte ich von Star Trek. Jedoch fand ich mich nicht in der Welt der aktuelleren Staffeln wieder, sondern war an Bord der guten alten USS Enterprise unter dem Kommando von Cpt. Kirk und seiner wackeren Besatzung. Ich nehme an, dieser Traum kam zustande, weil ich zuvor zwei alte Star Trek Folgen auf ZDF Neo gesehen hatte. Zudem hat wahrscheinlich das 46. Jubiläum der Fernsehserie, dass mit einem Google Doodle gefeiert wurde, sein Übriges getan.

Ich kann mich leider nur an wenige Details aus den Traum erinnern: Ich weiß aber, dass ich auf der Kommandobrücke der Enterprise war, als diese von bösartigen Aliens unter Umgehung des Transporters geentert wurde. Die außerirdischen Invasoren sahen aus wie stark geschminkte, kleinwüchsige Menschen, hatten riesige, künstlich aussehende, freiliegende Gehirne und trugen glitzernde, bodenlange Lurexumhänge. Ich wunderte mich noch, warum die Außerirdischen trotz ihrer überlegenen Intelligenz und ihrer phantastischen technischen Möglichkeiten nur sehr gebrochen Deutsch sprachen (Wir Euch millionenfach überlegen und nun Enterprise übernehmen…), als ich unvermittelt und schlagartig aufwachte.

Plötzlich aufzuwachen ist allerdings schlecht. Ich fühlte mich zunächst einmal total verwirrt, körperlich gerädert und wollte mich, sprichwörtlich gesagt, am Liebsten selbst in die Tonne kicken. Doch damit beginnen auch schon die Probleme. Welche Tonne ist die Richtige? Man möchte zunächst meinen, die Biotonne wäre der perfekte Ort für eine fachgerechte Selbstentsorgung. Aber weit gefehlt. Allerlei Metall im Mund wie Gold und Amalgam, diverse Piercings (so vorhanden), Schrauben, Nägel, künstliche Hüftgelenke oder Herzschrittmacher lassen den umweltbewussten und auf strikte Mülltrennung konditionierten Bürger vor dem Betreten der Biotonne zaudern, denn solch unbedachte Entsorgung sorgt nicht nur für ein schlechtes Gewissen, sondern bedeutet auch Ärger mit den Müllkontrolleuren.

Dabei ist doch alles ganz einfach. Das Foto zeigt, wo z.B. Männer fachgerecht entsorgt werden. Abgelegte Männer gehören in eigens gekennzeichnete Container, die von den Entsorgungsbetrieben an den bekannten Sammelstellen bereitgestellt werden. Es ist wie beim Besuch einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Man wählt die Türe, deren Beschriftung oder Pictogramm am ehesten dem eigenen angenommenen Geschlecht entspricht, um dahinter seinen dringenden Verrichtungen nachzugehen. Und ebenso funktioniert die Selbstentsorgung: Damen gehören in den mit Frauen markierten Container und Herren verfügen sich bitteschön in den Männercontainer. Und wenn man sich nicht sicher ist, stehen einem die freundlichen Mitarbeiter der Wertstoffsammelstellen mit Rat und Tat zur Seite. Auf diese Weise kann man sich gelassen und mit dem tollen Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz geleistet zu haben, in den Recyclingkreislauf einbringen.

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Unbestimmt

Was vor der Zigarette
danach geschah?
Darüber halten die
Beteiligten Stillschweigen.
Verlautbarungen
(wiewohl offiziell)
aus der Luft gegriffen.
Und im Ministerium
für vage Vermutungen
tagt der Krisenstab.

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„Vater!“ von Anselm Maria Sellen

„Vater!“ von Anselm Maria Sellen

(Vorbestellen)

Zum Buch:

„Ich bin das System. Ich bin die dunkle Seite der Macht. Ich bin das Gesetz. La famille c’est moi. Ich herrsche mit eiserner Hand. Umfragewerte interessieren mich nicht. Ich bin nicht gewählt worden. Ich bin Herrscher von Gottes Gnaden. Auf Lebenszeit. Ich brauche mich vor niemandem zu rechtfertigen. Gott allein ist mein Richter. Ich bin Vater!“

In seinem Erstlingswerk „Vater!“ beschreibt der Kölner Autor Anselm Maria Sellen, selbst Vater von vier Kindern, in unterhaltsamen und kurzweiligen Episoden die Fallstricke und alltäglichen Herausforderungen familiären Zusammenlebens.

Ob Elternabend, die Bundesjugendspiele, warum ein Sousaphon vielleicht doch nicht das geeignete Musikinstrument ist und was geschieht, wenn man in einem unbedachten Moment „Ja“ sagt – Sellen bringt den alltäglichen häuslichen Wahnsinn in seinen bissigen Kurzgeschichten und Betrachtungen zielsicher und scharfzüngig auf den Punkt.

„Vater!“ ist nicht nur ein ironisches und pointiertes, mit schwarzem Humor gespicktes Buch – es verspricht auch einen hohen Wiedererkennungswert, ganz gleich, ob man selbst Kinder hat oder nicht…

Zum Autor:

Sein Vater wollte ihn „Che“ nennen. Am Ende wurde „Anselm“ daraus.
Studiert hat er trotzdem (Amerikanische Literatur und Politikwissenschaften).
Heute arbeitet der gebürtige Kölner in 4711 Projekten als Educational Innovator, Blogger, Podcaster, Studienleiter und Zombieforscher.
Für verschiedenste Stiftungen und Institutionen denkt und gestaltet Anselm Maria Sellen Bildungs-Projekte an den Schnittstellen zwischen politischer, kultureller und digitaler Bildung.
Jetzt legt der vierfache Vater sein beachtenswertes Erstlingswerk vor.

Vater!
Autor: Anselm Maria Sellen
Verlag: edition dreiklein
232 Seiten
Erscheinungstermin: Juli 2017
ISBN: 978-3-9817281-8-7
€ 14,-

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Getaucht

Weltkakophonie
Über sich lassen
Wogenbrüllen
Von der nassen Seite
Und fern
Das Knirschen
Der Zahnwale

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