Der Dackel aus Kloten ist da…

Ab sofort bei mir und im Laufe der kommenden Woche auch im Buchhandel verfügbar:

„Der Dackel aus Kloten – 100 halbwegs hylfreiche Limericks“

In „Der Dackel aus Kloten“ widmen sich der Blaubeurer Autor Martin Gehring und die Ulmer Künstlerin Dorothea Grathwohl dem Limerick, einer fast vergessenen Lyrikform, die es schafft, das Leben in seiner ganzen Bandbreite in ein humorvolles, jedoch in der Form streng vorgegebenes Gedicht mit fünf Zeilen zu fassen.

Ebenso anschaulich wie großartig von Dorothea Grathwohl bebildert, befasst sich Gehring in seinen Mikroepen mit den wichtigen, großen und erwähnenswerten Themen unserer Zeit, seien es zwischenmenschliche Beziehungen, Tipps zur Haustierhaltung, Fragen aus Philosophie und Wissenschaft oder dem Leben nach dem Leben.

„Der Dackel aus Kloten – 100 halbwegs hylfreiche Limericks“ ist ein wahnsinnig witziger und lehrreicher Allzweckratgeber, der in keinem Haushalt fehlen sollte.

 

Familie Lemm reist nach Italien

Eines Morgens, Herr Lemm saß gerade im Büro und spitzte seine Bleistifte, schoss ihm, wie aus heiterem Himmel, das Wort „Italien“ durch den Kopf. Schnell schob er das Wort beiseite und widmete sich noch intensiver seinem neuen, elektrischen Bleistiftanspitzer. Doch „Italien“ wollte nicht verschwinden – es kreiselte um sein Hirn, immer an der Schädelwand entlang, wechselte unvermittelt die Richtung, zerfiel in einzelne Buchstaben und setzte sich – I, T, A, L, I, E und N – wieder zu „Italien“ zusammen.

„Italien, was für ein Unfug“, dachte Herr Lemm und wandte sich dem Posteingang zu. Er nahm das erste Schreiben, überflog es und stempelte es ab. Er wollte den Brief schon in den Postausgang legen, als er sah, dass er das Wort „Italien“ gestempelt hatte. Lemm rieb sich die Augen, kontrollierte kopfschüttelnd den Stempel und blickte noch einmal auf das Schreiben. Da stand gar nicht „Italien“, sondern das übliche „GESTEMPELT AM:“ und das aktuelle Datum. Erleichtert atmete er auf, denn er wollte schon an seinem Verstand zweifeln. Doch nun begann „Italien“ vor seinen Augen zu tanzen. Wenn Lemm die Lider schloss, sah er „Italien“ in die Netzhaut eingebrannt und einen Moment lang glaubte er, sein Computer würde ihm leise „Italien“ zuraunen.

„Papperlapapp“, schrie Herr Lemm und schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. Dann stand er von seinem Bürostuhl auf und ging ans Fenster. Draußen war es kalt und neblig und er sah ganz genau, wie sich der Rauch aus dem Kamin gegenüber zu dem Wort „Italien“ kräuselte.

„Jetzt ist es aber genug“, sagte Herr Lemm mit unterdrückter Wut und fasste in diesem Moment einen Entschluss: Er brauchte Urlaub! Und zwar sofort! Weit weg! Am besten Italien!

Lemm beugte sich über seinen Schreibtisch und holte aus der obersten Schublade den unbenutzten Block mit den Urlaubsscheinen (denn er war ja noch nie im Urlaub), trug seinen Namen und das Datum des heutigen Tages, aber kein Enddatum ein, stempelte den Schein ab und legte ihn zuoberst in den Ausgang. Dann sortierte er seine Bleistifte der Länge nach, legte den Radiergummi daneben und teilte im Anschluss der Sekretärin über Sprechanlage Folgendes mit:

„Fräulein Erika, ich werde verreisen. Nach Italien.“

„Aber Herr Lemm. Sie sind doch noch nie…“, tönte es knarzend aus dem Lautsprecher.

„Einmal ist immer das erste Mal, Fräulein Erika. Bitte rufen Sie meine Frau an und sagen ihr, dass sie und die Kinder unverzüglich packen sollen. Ach, und schalten Sie bitte nachher den Computer ab. Ich möchte nicht so kurz vor dem Urlaub krank werden. Man hört ja heute so allerlei über Computerviren.“

„Ähm…“

Herr Lemm unterbrach die Verbindung, nahm seine Aktentasche und verließ das Büro. Dabei fiel ihm ein, dass er das Fräulein Erika noch nie gesehen hatte.
„Was soll’s“, murmelte er vor sich, denn er hatte ja ab sofort Urlaub.

Familie Lemm saß um den Esstisch im Wohnzimmer. Herr Lemm, seine Frau Waltraud und die Kinder Anja und Stefan. Auf der Mitte des Tisches lag eine große Karte von Europa.

Das ist aber ganz schön weit“, maulte Stefan. „Hier sind wir und ganz da unten ist Italien.“

Waltraud nickte zustimmend und meinte: „Da muss ich aber jede Menge Butterbrote schmieren.“

Anja sagte gar nichts.

„Dann wollen wir mal sehen“, sagte Herr Lemm, nahm ein Lineal und einen Bleistift, den er aus dem Büro hatte mitgehen lassen und zog eine gerade Linie auf der Karte. Fast 50 cm vom ungefähren Standort von Lemms Haus bis Italien.

„In der Tat. Ganz schön weit. Und entlang der gedachten Linie bis Italien gibt es nicht immer Straßen. Und hier sogar Wasser. Wir müssen eine Abkürzung finden.“

Anja sagte immer noch nichts. Stattdessen faltete sie die Karte einmal um.

„Donnerwetter“, rief Herr Lemm und verschluckte sich beinahe an seinem Kaffee. Er maß erneut nach und verkündete, dass es auf der Karte jetzt nur noch 30 cm wären und man könnte doch… Nun faltete er die Landkarte noch einmal und noch einmal. Die Lemms hatten Glück, denn die Stadt, in der sie wohnten, lag genau auf einem Falz der Karte. Nun, dreimal gefaltet, befand sich die Stadt plötzlich direkt an der italienischen Küste.

Bewundernd blickte Waltraud zwischen ihrem Mann und Anja hin und her und sagte: „Schatz, wenn wir dich nicht hätten. Und Anja. Immer findet ihr eine Lösung. Komm Stefan, hilf mir, die Koffer zu verstauen. Und sicherheitshalber werde ich doch noch ein paar Brote schmieren und eine Thermoskanne Kaffee für die Reise aufbrühen.“

Während Waltraud in der Küche hantierte und Stefan das Gepäck in den Kofferraum von Herrn Lemms Auto räumte, klebten Lemm und Anja die Landkarte mit Tesafilm zusammen, damit sie während der Fahrt nicht plötzlich auseinanderklappen konnte.

„Wir können dann…“, flötete Waltraud aus der Küche und alle nahmen im Auto Platz. Herr Lemm am Steuer, Anja mit der Landkarte auf dem Beifahrersitz und Waltraud mit dem Picknickkorb und Stefan im Fond.

Dann ging es los. Da der Weg von den Lemms bis nach Italien laut Karte nahezu unendlich kurz war, musste Herr Lemm im Gegenzug das Auto auf beinahe unendliche Geschwindigkeit beschleunigen. Immer schneller und schneller ging die Fahrt. Bald war die Schallmauer mit lautem Knall durchbrochen und die Landschaft flog so flink vorüber, dass nur noch grüne und graue Schlieren zu sehen waren.

Doch Herr Lemm hatte zwei Dinge übersehen: Je schneller er wurde, desto langsamer verging die Zeit, was nicht weiter schlimm war und besonders von Waltraud, die ja gerne mal über ihr Alter schimpfte, erfreut zur Kenntnis genommen wurde. Allerdings wurde das Auto samt Insassen mit zunehmender Geschwindigkeit auch immer schwerer. Schließlich, als Herr Lemm fast unendliche Geschwindigkeit erreicht hatte, war das Fahrzeug so schwer, dass es zum Zentrum eines Schwarzen Loches geriet, welches zuerst die Häuser und Menschen einsog und zermalmte, im Weiteren die Erde und das ganze Sonnensystem samt der halben Milchstraße kollabieren ließ und am Ende sogar das Licht krümmte. Man konnte es genau an den Scheinwerferkegeln sehen.

„Ganz schön was los da draußen“, sagte Waltraud, mit vollem Mund kauend, denn sie hatte gerade, während sie aus dem Seitenfenster blickte, das zweite Butterbrot angefangen.

Anja verglich indessen das, was sie durch die Windschutzscheibe sah, mit der Karte, stellte fest, dass ihr Ziel, nämlich Italien, beinahe erreicht war und sagte nur: „Papa…?“

Herr Lemm reagierte in höchster Geistesgegenwart. Er schrie: „Alles festhalten! Vollbremsung!“ und trat mit solcher Wucht in die Eisen, dass sogar Stefan, der gleich nach der Abfahrt eingeschlafen war, von dem Ruck aufwachte und fragte, wie lange es denn noch bis Italien wäre.

Durch die rasch abnehmende Geschwindigkeit des Fahrzeuges wurde Selbiges nun in gleichem Maße, wie es vorher an Gewicht zugenommen hatte, wieder leichter und auch die Zeit kehrte in normale Bahnen zurück. Allerdings erschütterte das, in diesem Moment zusammenfallende Schwarze Loch das Raum-Zeit-Kontinuum so derart nachhaltig, dass dabei eine tiefe und ausgefranste Spalte im Weltraum aufriss, durch welche Familie Lemm und ihr Auto geradewegs ins Paralleluniversum geschleudert wurden.

Mit quietschenden Bremsen und leicht schlingernd kamen die Lemms zum Stehen. Alles war in Ordnung. Das Auto stand am Rande eines kobaltblauen Strandes. Die leichten Wellen eines stillen, orangefarbenen Meeres leckten sanft plätschernd ans Ufer, während am wolkenlos grünen Himmel eine der beiden Sonnen unterging.

„Hach, Italien“, sagte Herr Lemm. „Schaut nur, diese Farben.“

rotz

was ist der mensch denn
mehr als ein stück vieh
aus dessen leibesöffnungen
ständig & ohne unterlass
allerlei widerlichkeiten
seien es unbedachte worte
oder aber verschiedenste
sekrete & auswürfe
in stetigem strome entfließen
so ist mein leben rotz
& sputische tröpfchenschwälle
in dauerphotischem niesen
was hochgezogen findet weg
als expektorat aus rachenraum
& tropfender nase geschnäuzt
wäre mein hirn rotz mein
kopf müsste schon längst
hohl klingen wie eine trommel
& endlos leerer weltenraum sein
& um mich türmt ein gebirgsmassiv
aus sedimenten zu intelligenz
gekommener papiertaschentücher

Die Fußball-WM naht unaufhaltsam

Auf dem Trockenen

Heut‘ sprach mich mein Nachbar an,
ob er zum Fußball kommen kann.
Er hätte Schinken, einen fetten.
Dazu Chips und auch Salzletten

Ich sagte: „Prima, komm‘ zu mir.
Im Keller gibt es Wein und Bier.
Mit deinen ganzen Knabberdingen
wird uns der Abend gut gelingen.“

Gleich wollt‘ ich in den Keller geh’n,
um nach Wein und Bier zu seh’n.
Doch unten überfiel mich Schwermut:
Leergut, Leergut, nichts als Leergut.

El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica

El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica
von Martin Gehring

Zum Buch:

Karl May war gestern, denn in der Sierra Chica sind die Hühner los! Eines Tages wird das kleine Dorf Carrizo von den Four Roosters, einer skrupellosen Ganovenbande, heimgesucht. Die vier Hühnerbrüder fordern nicht nur die Wertsachen der Einwohner, sondern auch den Kopf El Pollos. Sancho, ein junger Gockel des Dorfes, wird ausgesandt, um den sagenhaften Helden zu finden. Wie die Wahrheit über El Pollo Sanchos Leben verändert, ob er sein Dorf retten kann und welche Rolle der Händler und Erfinder Monsieur Coq au Vin und die bezaubernde Tänzerin Esmeralda spielen, erfährt der Leser in ‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘.

Zum Autor:

Mit ‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘ hebt der Ulmer Autor Martin Gehring das zu Unrecht belächelte Genre des Western auf eine neue Dimension und befreit es augenzwinkernd von seinem angestaubten Heftromanimage. Mit viel Spannung, temporeicher Action und jeder Menge Humor schickt er den Leser auf einen halsbrecherischen und vergnüglichen Ritt quer durch die Sierra Chica.

‚El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica‘ erscheint im Juni 2015 im Manuela Kinzel Verlag.

ISBN: 978-3-95544-040-4
Format: DIN A5
Info: Softcover; 134 Seiten
Preis: € 10
Erschienen: Juni 2015